Von der Angst, den Zug zu verpassen und von der Angst, nicht Bahnchef bleiben zu dürfen

Dürftig zwar, aber immerhin öffentlich teilt der DAV auf seiner Homepage (www.anglerverband.com) mit, dass er sich am 10.3.2012 für eine Fusion à la VDSF-Präsidium ausgesprochen hat. Ob der DAV in den weiteren Verhandlungen Forderungen stellt, bleibt leider unklar.

Damit sind alle Diskussionen um das “Wie” der Fusion nutzlos und können für beendet erklärt werden. Wir können nunmehr getrost davon ausgehen, dass

  • anstelle der Fusion (Zusammenschluss) ein Beitritt des DAV zum VDSF erfolgen wird
  • der diskussionsfeindliche Fusionszeitplan eingehalten wird
  • dass es keine weiteren Zugeständnisse der Apparate gegenüber Verbesserungsvorschlägen geben wird
  • es keine Festlegung für eine angelpolitische Grundausrichtung geben wird
  • die offenen Fragen, etwa die Zulässigkeit neuer Fachverbände, bis zur Fusion nicht geklärt werden
  • es keine Transparenz über die Finanzen der bisherigen Verbände und des Fusionsverbandes gibt
  • es keine interne Öffentlichkeitsarbeit, Transparenz und Informationen über die Einzelheiten der Fusion gibt
  • die Angler allenfalls noch mit so “wichtigen Fragen” wie der Ehrenordnung, dem Logo und der neuen Verbandsfahne “befasst”  werden
  • der neue Verband nahezu alle Missstände des VDSF übernimmt, ohne dass Aussichten bestehen, dass sich daran auch in mittlerer Zukunft etwas ändert
  • die Zukunft der Landesverbände weiterhin ungewiss bleibt, aber der Druck auf diese in Richtung regionaler Fusionen im Stile des VDSF massiv wachsen wird
  • die Gewässerpools zwar nicht kurzfristig beendet werden, aber auf mittlere Sicht mehr und mehr abgebaut werden, um ein einheitliches Beitragswesen zu ermöglichen
  • regionale und lokale Strukturen weiterhin kaum Einflussmöglichkeiten haben werden, von den Beitragszahlern ganz zu schweigen
  • auch das künftige Präsidium (Vizepräsidenten und Referenten) kaum Einflussmöglichkeiten haben werden
  • die Lobbyarbeit und die Öffentlichkeitsarbeit der Angelfischerei gegenüber der Politik unverändert schwach sein werden
  • die innerverbandliche Demokratie weiterhin nur den minimalsten rechtlichen Anforderungen entsprechen wird
  • die mittelbar oder unmittelbar von den beitragszahlenden Anglern gewählten Funktionäre nicht wissen, ob sie nicht nur die Vereine/ Verbände, sondern auch die Angler vertreten.

Diese Entscheidung ist zu respektieren, und sie ist beachtlich. Zu respektieren ist sie, weil sie offenbar satzungsgemäß verbandsdemokratisch erfolgte. Dass die Basis daran kaum mitwirken konnte, ist den vorhandenen Strukturen geschuldet. Basisdemokratie sieht die Satzung des DAV wie jene des künftigen Verbandes nicht vor. Dass die Informationen über das, was beschlossen wurde, nur spärlich flossen, ist bedauerlich und vor dem Hintergrund der Rechtsprechung zu den Informationsrechten der Mitglieder von Verbänden bedenklich. Aber so funktioniert  die Gegenwart. Bedauerlich, und traurig.

Beachtlich ist diese Entscheidung, weil nunmehr der Fusionszug rollt. Gestoppt werden könnte er nur noch, in dem die Verbandsausschuss des VDSF im April 2012 dem – gelinde gesagt – merkwürdigen “Antrag” des VDSF-Präsidiums folgt und die Fusion ohne den DAV vollziehen lässt.

Das aber ist wenig wahrscheinlich. Der Vorstoß des VDSF-Präsidiums hat selbst in den Reihen der VDSF-Landesverbände überwiegend Unverständnis und teilweise Widerstand ausgelöst. Nicht nur, weil die vom VDSF-Präsidium damit angestrebte “Rechtsfolge” einer Fusion ohne den DAV schlicht und einfach so absurd ist, dass man das nicht erklären muss. Sondern auch, weil dieser Kurswechsel von der allein strittigen Frage ausgelöst wurde, wer der künftige Präsident des Fusionsverbandes wird. Das sehen auch die Spitzen in den meisten VDSF-Landesverbänden so. Einige haben intern und schließlich mit einem offenen Brief darauf reagiert und den Kurs des VDSF-Präsidiums kategorisch abgelehnt.

Was hat es mit der Präsidentenfrage auf sich? Es gab in der Vergangenheit Differenzen zwischen VDSF und DAV über die Zahl der Referenten im Präsidium, also darüber, ob deren Besetzung paritätisch erfolgen soll. Darüber gab es zeitweilig Streit, da der VDSF ungleich größer an Mitgliedern (Beitragszahlern !) ist als der DAV. Doch diese Frage ist von untergeordneter Bedeutung. Genau wie die zeitweilig diskutierte und jetzt erneut von Mecklenburg-Vorpommerns VDSF ins Gespräch gebrachte (vorübergehende) Doppelspitze im Präsidentenamt.

Bedeutsam ist zurzeit, welche Person künftiger Präsident wird. Weil VDSF-Chef Peter Mohnert im DAV-Land nicht zu vermitteln ist (wenn es dann noch etwas zu vermitteln gibt), hat der DAV auf eine eigene Kandidatur für das Amt des Fusionspräsidenten verzichtet. Es wird kolportiert, dass auch der VDSF-Chef seinen Verzicht erklärt haben soll. Das wäre angemessen und richtig, auch als Signal, dass der DAV nicht an den VDSF angeschlossen, sondern auch künftig angemessen vertreten wird. Die meisten Landesverbände des VDSF und des DAV dürften das ebenso gesehen haben. Deswegen steht im Raum, eine politisch vernetzte Persönlichkeit, die nicht aus den beiden Verbände kommt, für eine Kandidatur zu gewinnen.

Doch so schön ist die Welt leider nicht. VDSF-Chef Mohnert will jetzt auf gar nichts verzichtet haben. Er hat sich am 3.2.2012 brieflich an die Präsidenten der VDSF-Landesverbände gewandt mit dem Ziel, den Kreis der in Betracht zu ziehenden Kandidaten auf “Verbandsinsider” zu beschränken. Das würde ihm eine Kandidatur ermöglichen, ja sogar wahrscheinlich machen, da der DAV weder über die Mehrheit für einen eigenen Kandidaten verfügen wird, noch über die Sperrminorität, um einen Kandidaten “Mohnert” zu verhindern. Alternative Kandidaten aus den Reihen der VDSF-Landesverbände würden es schwer haben, Mehrheiten hinter sich zu versammeln. Politikerfahrene Präsidenten, wie sie sich etwa der Deutsche Jagdschutzverband leistet, wären zugunsten Mohnerts ausgeschlossen. Nur darum ging es ihm.

Offenkundig waren die Reaktionen, die der VDSF-Präsident auf seinen Vorstoß vom 3.2.2012 erhielt, wenig zustimmend. Belegt ist, dass der Präsident des LAV Mecklenburg-Vorpommern in schneller Reaktion bereits am 9.2.2012 aufforderte, die “Insider-“Forderung fallen zu lassen oder ansonsten erneut über das Thema “Doppelspitze” zu verhandeln. Rund vier Wochen später gab auch der mächtige LV Bayern zu Protokoll, dass er die Idee eines Outsider-Präsidenten nicht vom Tisch gewischt zu sehen wünsche. Wären diese Haltungen common sense, wäre eine Kandidatur Peter Mohnerts ausgeschlossen.

In dieser Situation mangelnden Rückhalts der beiden größten VDSF-Verbände wäre es für Peter Mohnert schwer bis unmöglich, eine interne Gegenbewegung aufzubauen, die eine Kandidatur des noch amtierenden VDSF-Präsidenten tragen würde. Seine Pläne kann er mangels Rückhalt in den eigenen Reihen nur verfolgen, indem er sich Mehrheiten “von außen” verschafft, beim DAV. Mit dem offenen Brief vom 29.2.2012 stellte er indirekt den DAV vor die Wahl, entweder ihn als Fusionspräsidenten zu unterstützen oder aber die Schuld für das endgültige Scheitern der Fusion zugewiesen zu bekommen. Der offene Brief selbst spielt auf die Kandidatenfrage an. Und Mohnerts kurzfristige Absage seines Auftritts bei der DAV-Jahreshauptversammlung diente allein dazu, zu verhindern, dass er sich persönlich in der Kandidatenfrage erklären müsste. Die Erklärung einer Kandidatur hätte zu einer Ablehnung der Fusion durch den DAV geführt, der Verzicht darauf seinen persönlichen Interessen widersprochen.

Unisono haben das die Statements von Mecklenburg-Vorpommern und Bayern und auch die der Initiative Pro DAFV erkannt und deutlich benannt. Das kann dem DAV nicht verborgen geblieben sein. Und folgerichtig findet sich auch in der Veröffentlichung des DAV zu seiner Zustimmung zur Fusion als einziger Zusatz-Hinweis des DAV-Chefs, dass „als Kandidat für den Präsidenten des einheitlichen Verbandes eine Person gefunden werden sollte, die weder aus den Reihen des VDSF noch aus den Reihen des DAV kommt und über politische Verbindungen und Erfahrungen verfügt.“ Dies bestätigt, dass für ihn [DAV-Präsident Markstein] und den DAV die Sache der Angler im Mittelpunkt steht und keine persönlichen Interessen.” Zitat Ende. Zu dünn und fadenscheinig für verantwortungsbewusste Funktionäre war der Vorwurf des VDSF-Präsidenten, der DAV würde ihn nicht rechtzeitig genug über Beschlussanträge informieren. Der von Peter Mohnert in das andere Lager ausgeworfene Köder war, um es einmal anglerisch auszudrücken, nicht fängig.

Fakt ist, dass sich beide Verbände über alle wesentlichen Punkte der Fusion und ihren Zeitpunkt einig sind. Fakt ist, dass die überwiegende Mehrheit der Delegierten dieser Verbände dem zustimmt. Die irren Sandwolken, die derzeit vom VDSF-Präsidenten in den Zugbetrieb gestreut werden, beziehen sich einzig allein auf die Frage, ob eine Kandidatur Peter Mohnerts für das Amt des ersten Präsidenten des Fusionsverbandes möglich sein soll. Um diese Möglichkeit zu schaffen, ist er bereit, die Fusion platzen zu lassen (natürlich unter Schuldzuweisung an die andere Seite, wie immer).

Der DAV hätte dem Fusionsplan am 10.3.2012 nicht zugestimmt, wenn er diese Zuspitzung auf die Kandidatenfrage nicht gesehen hätte. Es ist erfreulich, dass auch innerhalb des VDSF einflussreiche Kreise das Gleiche erkannt haben. Sie haben mehr Verantwortung bewiesen, weil sie “persönliche Interessen” (Zitat aus der Veröffentlichung des DAV) nicht über die historische Chance gestellt haben, wie Peter Mohnert das getan hat.

Seine während des gesamten Fusionsprozesses gezeigte latente Neigung zum “Platzenlassen” ist allein in seinem Streben nach Machterhalt begründet. Mag sein, dass Peter Mohnert glaubt, dass er ein guter Präsident sei, der einzige, der die Deutsche Angelfischerei führen könne. So ähnlich hat seinerzeit auch Hartmut Mehdorn gedacht. Am Ende musste er doch gehen. Die Bilanz der Amtszeit von Peter Mohnert – und es ist jetzt nicht mehr verfüht, sie zu ziehen – lautet: Ohne ihn wären wir viel, viel weiter. Das ist offensichtlich. Offensichtlich ist auch, dass es Peter Mohnert nicht um die Einheit der Angler geht, sondern um seine eigene Präsidentschaft. Jeder, wirklich jeder, kann und muss das jetzt sehen! Das ist des VDSF und der deutschen Anglerschaft zutiefst unwürdig. Peter Mohnert hat nunmehr auch im Westen nicht mehr das Vertrauen, das ein Präsident haben muss, dem (leider) weitreichende Machtmöglichkeiten zukommen. Ein Politiker, ja selbst Hartmut Mehdorn würde in dieser Situation zurücktreten. Peter Mohnert wird das nicht tun. Dessen dürfen wir sicher sein. Die kommenden Wochen und Monate müssen die Präsidenten der Landesverbände des VDSF ihrer Verantwortung in besonderer Weise gerecht werden. Uns allen wünsche ich, dass sie das erkennen und danach handeln.

Ich erlaube mir zwei abschließende Bemerkungen:

1.) Mit der Verknüpfung der Fusionsfrage mit dem weiterhin anstehenden Thema einer umfassenden Modernisierung und Demokratisierung der Strukturen der deutschen Angelfischerei war viel gewollt, wahrscheinlich zu viel. Dieses Thema steht nach der Fusion weiterhin an. Es ist prioritär, vor wie nach der Fusion.

2.) Das Fusionsthema war von Anfang an schwierig. Ich habe Verständnis für LV-Funktionäre, die es lieber gleich als morgen vom Tisch haben wollen. Und doch, nicht nur wegen der noch überhaupt nicht diskutierten Auswirkungen der Fusion auf die Landesverbände, die immer geleugnet wurden, gehört es zur Verantwortung der Landesverbände, hier einen klaren und aktiv gestaltenden Kurs und Mitverantwortung zu übernehmen. Denn die Fusion wird gravierende, heute noch nicht einmal abschätzbare Auswirkungen auf die Landesverbände haben. In den kommenden Wochen und Monaten haben sie noch einmal die Gelegenheit, sich gründlicher informiert noch einmal einzubringen.

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