Geheimnistümelei ohne Not

Bei der im diesen Jahr anstehenden Wahl des Präsidenten oder der Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV) wird der saarländische Mitgliedsverbandspräsident Schneiderlöchner kandidieren. Das meldet nicht der DAFV, sondern glaubwürdig das verbandskritische Internetforum Anglerboard.

Noch ist unklar, ob die amtierende Präsidentin Happach-Kasan für eine weitere Amtsperiode antritt. Ziehen wir aber ins Kalkül, dass sich ihre FDP gute Chancen ausrechnet, bei der diesjährigen Bundestagswahl wieder ins Parlament einzuziehen, dann wäre der DAFV für sie, die dort wie im Verband über wenig Hausmacht verfügt, eine Fischereipräsidentschaft ein vielleicht entscheidender Rückhalt.

Spielen wir also mit dem Gedanken, dass wir in diesem Jahr eine echte Kampfkandidatur erleben werden. Dafür spricht schon, dass der Anwärter Schneiderlöchner, durchaus kein Prominenter unter den DAFV-Granden, mit einem ausgesprochen oppositionellen Papier gegen den Nicht-Kurs der Präsidentin antritt. Auch wenn derartiges in der Verbandsgeschichte keineswegs die Regel war.

Das sieht fast nach einem programmatischen Wahlkampf aus, auch wenn dieser aus dem fernen Saarland heraus rein logistisch nicht leicht zu führen sein wird. Denn über “Hausmacht” verfügt auch Schneiderlöchner bestenfalls nur westlich der Rhein-Pfalz.

Zwei Kandidaten mit den gleichen Schwächen, aber mit unterschiedlichen Stärken. Jedenfalls hat Schneiderlöchner in der Bundespraxis noch keinen Amtsmalus wie die Präsidentin, die quasi durch einen Regionalputsch ins Zentrum einer grottig organisierten Verbandsfusion gespült wurde, und Schneiderlöchner hat auch weder Fehltritte noch eine maue Amts-Bilanz auf seinem Bundesknto.

Nicht ohne Reflexhaftigkeit stürzen sich deswegen die Diskutanten im Anglerboard auf die lokalen Sünden jenes Kandidaten, der zur allgemeinen Überraschung wie Kai aus der Anglerkiste sprang. Im sattsam bekannten Algorithmus “anglerfreundlich/ anglerfeindlich” sortiert ihnen die Anglermeinungssuchmaschine schnell auf die hinteren Ränge aus. Dass der saarländische Verband als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu staatsnah sei um Anglerinteressen vertreten zu können, wird direkt dem Kandidaten angekreidet, obwohl jener doch gerade erst die Körperschaft, die sein Vorgänger Becker geschaffen hat, geerbt hat. Immerhin wird, zumindest von einigen, sein “Programm” als “aus dem Anglerboard abgeschrieben” bewertet. Die deswegen erwartbaren Begeisterungsstürme bleiben bei den grundfrustrierten VDSF-Geschädigten jedoch mehrheitlich aus. Schneiderlöchner, dessen Hut nun einmal im Ring liegt, vermeidet den Kuschelkurs mit dem Anglerboard, weil er weiß, dass die Mehrheit der Hauptversammlungsfunktionäre für das publizistische Schmuddelkind der deutschen Anglerszene außer Furcht und Verachtung immer noch nicht viel übrig hat. Ein Exklusivinterview mit Thomas Finkbeiner wäre das Ende seiner Ambitionen. Soweit sind wir noch nicht.

Aber die programmatische Nähe Schneiderlöchners zu den Forderungen des seit Jahren verfemten Anglerboards beweist zumindest, dass in der Denkwelt der Funktionäre trotz der vom VDSF ererbten und von Happach-Kasan trotz aller Chancen nie aufgebrochenen Verkrustungen doch einiges in Bewegung geraten ist. Auch unter den Landesverbandpräsidenten, die nicht ihr Kündigungsschreiben in der Reinhardtstraße hinterlegt haben, ist die Suche nach neuen, produktiveren Wegen, Volkssport geworden. Und die Bereitschaft nimmt zu, auch offen kontrovers über den Kurs zu diskutieren. Da fällt ein Stück Kadavergehorsam, die Ära des Säulenheiligentums der DAFV-Präsidien nähert sich ihrem Ende. Es könnte der Beginn einer Zeit sein, in der man nicht fraglos abwinkt, um die Versammlung schnell beenden zu können, eine Zeit, in denen Kritikern wie zum Beispiel dem ehemaligne Schleswig-Holsteinischen Pressesprecher Kuhr, in “bester” Donald-Trump-Manier aufgrund “unbotmäßiger” Fragen nicht mehr das Rederecht entzogen wird. Bis zum Ende des VDSF gab es nach diesem Ereignis innerhalb der Jahreshauptversammlungen des VDSF keine ernsthaften Diskussionen mehr.

Diese trübsinnbefördernde Monokultur des Mohnert-VDSF hat leider weit in die Geschichte des DAFV hineingestrahlt. Eine nahezu komplett verbandsunkundige Präsidentin hat auf das Fortbestehen dieser alles dominierenden Amtsmacht gesetzt, statt mit Argumenten in die Landesverbände zu gehen. Dabei war von Anfang an klar, dass die Zeit der Landjunker im Präsidentenamt in einer deutlich diskursiveren Anglerlandschaft eher schnell denn langsam auslaufen würde.

Dass sie dem Publikum den “Mohnert in Rüschenbluse” gegeben hat, während ihr ein Landesverband nach dem anderen von der Stange ging, das nehmen ihr mehr noch als die Basis die eingefleischten Verbandsfunktionäre übel. Ganz scheint es so, als wäre sie, trotz zahlreicher Fotos mit männlichen Angelexperten im Hintergrund, nie im Verband angekommen, hätte sich zuerst im Offenbacher Elfenbeinturm, dann – endlich – in ihrer vertrauten – Berliner FDP-Zentrale, die jetzt auch untermieterhaft DAFV-Zentrale sein darf, aber von Herrn Lindern jederzeit fristgerecht gekündigt werde darf, vor allen notorischen Besserwissern wohlbeschützt, eingummelt – und nicht einmal der angedrohte Austritt des mitglieder- und zahlungskräftigen bayerischen Landesverbandes konnte das Schleswiger Daichschattengewächs zu einem Friedensgespräch nach Canossa, nein: München bewegen.

Für einen Neuanfang jedenfalls, ja wenigstens für zeitnotwendige Veränderungen, nein, dafür steht Frau Happach-Kasan nicht ein, wenn sie sich nicht noch in den kommenden Monaten schulzartig neu erfindet. Ob sie das will, dafür gibt es keine Anzeichen. Ob sie das kann, dafür gibt es keine mir bekannten Anhaltspunkte.

Ein Kandidat, der sich ein in Ansätzen verständliches, aber insgesamt unausgewogenes Programm per paste and copy zu eigen macht und eine Amtsinhaberin, die mangels eigener Vorstellungen ihren über alle Maßen fatalen Vorgänger zum Vorbild und Maßstab ihres Handelns nimmt, das scheint wirklich kein Musterbeispiel der Bestenauslese zu sein.

Gelingt es uns also auch erneut nicht, aus diesem Dauerjammertal der deutschen Angelei-Vertretung herauszukommen? Derartige Düsternis wird jedenfalls nicht dadurch erhellt, dass beide Kandidaten bislang der öffentlichen Auseinandersetzung über ihre Positionen ausweichen. Diese wird ja nicht nur dem Anglerboard verweigert, sondern sogar gegenüber den Delegierten der Jahreshauptversammlung! Letzteres ist, im Übrigen, ein dauerskandalöser Affront gegen die Mitgliederschaft. Denn das deutsche Verbandsrecht verpflichtet jeden Verband, auch im Inneren zur Einhaltung demokratischer Prinzipien. Durch das Verhindern jedweder Diskussion liegt man vielleicht im überkommenen Modetrend einer Politik, die durch ein “Wir machen das schon” den Einzelnen von der Mitwirkung und Mitsprache ausschließt, aber man vergisst, dass man genau und gerade dadurch diejenigen ertüchtigt, die sich selbst als Umstürzler gerieren, auch wenn es ihnen selbst nur um die Fleischtöpfe geht. Das Amt des DAFV-Präsidenten gilt vielen noch als Fleischtopf, obwohl es dazu erst durch den werden kann, der das missbraucht.

Meine Prognose: Schwere Frage! Denn selbst die hat viele Komponenten.

Zunächst einmal: Kommt es überhaupt zur Kampfkandidatur?  – Ein Hut ist im Ring, der saarländische. Kaum zu erwarten, dass der ohne Gesichtsverlust da wieder rausgenommen werden könnte. Das Barettchen der Präsidentin, ob es folgen wird? Für Frau Happach-Kasans Ambitionen, über die zu spekulieren einer Wette auf den Ausgang von Donald Trumps Absetzungsverfahren gleichkommt, wäre eine gewonnene Kandidatur vorteilhaft, für ihr seelisches Wohlbefinden eher weniger. Vielleicht macht sie sich die Frage der Kandidatur von ihren Siegchancen abhängig, wofür einiges spricht. Sie könnte sich durch die – sorry an die Saar – Provinzialität Schneiderlöchners zu einer erneuten Kandidatur herausgefordert fühlen. Das alles könnte völlig losgelöst von der Stimmungslage im Verband und an der Basis erfolgen – beide Ebenen sind von der Teppichetage viel zu weit entfernt, als dass “die Mächtigen” sich davon bedroht fühlen oder beeindrucken lassen könnten.

Dann: Was passiert, wenn ein Kandidat strauchelt? – Das ist einfach und fatal. Die übergroße Mehrheit wird den verbleibenen Kandidaten wählen, allein weil kein anderer da ist und man so Geschlossenheit demonstrieren kann, ohne irgendjemandem Weh zu tun. Wer immer auch strauchelt, der andere ist Sieger. Wer strauchelt? Die Amtsträgerin kann wegen ihres Verhaltens, aber auch wegen urplötzlich ruchbarer Auffälligkeiten im Verbandsgeschehen, in Schwierigkeiten kommen. Man würde ihr bei einer Kampfkandidatur schon vorwerfen, dass es ihr nicht gelungen ist, diese zu verheimlichen. Der Kandidat muss nur fürchten, was er selber sagt, was im Saaland passiert und ansonsten Landesfürsten, die sich – aus Gründen, die wir Normalsterblichen nicht überblicken – gegen ihn zusammentun. Das Feld sollte er bestellen, tut er es nicht, que sais Dieux.

Der geduldige Leser, von denen es bekanntlich immer weniger gibt, mag einwenden: Wozu ist denn diese Kampfkandidatur gut? Sind sich die Angler denn so wenig einig? Falscher Ansatz! Einigkeit ist nicht der Ausgangspunkt der innerverbandlichen Willensbildung und schon gar kein oberstes Herrschafts- und Kommunikationsprinzip. Einigkeit ist das Ziel, das Ergebnis, das zu erarbeiten die Erwartungshaltung der Basis und ihrer Vertreter an die Verbandsführung sein muss. Es geht nicht darum, einen Präsidenten oder eine Präsidenten mit Macht auszustatten, sondern darum, die geteilte und regulierte Macht, die auch der einzelne hat, zu einem Mehrheitswillen auszuformen.

Und damit sind wir an dem zentralen Punkt. Wir fragen uns oft, warum der DAFV keine brauchbare Öffentlichkeitsarbeit hat. Und antworten darauf allzu dürftig: zu wenig Geld, zu wenig Know how, zu wenig Manpower. Jedes Symptom mag stimmen, doch der wahre Grund ist ein anderer: Der DAFV kann nicht mit vernehmbar lauter Stimme sprechen, weil er im Inneren außerstande ist, Themen zu einer Mehrheitsmeinung zu formen, weil er Diskussion und Kontroverse scheut mehr als der Fisch den Goldhaken. Weil er nicht streitet, ist der DAFV ohne jedes Selbstbewusstsein und deswegen in seinem Auftreten gegenüber der Politik auch automatisch leisetreterisch. Wer Willensbildung unterdrückt, der hat auch keinen Willen, den er kraftvoll einbringen kann. Das ist zuleich der Grund für die Beliebigkeit, die aus fast jedem öffentlich wahrnehmbaren Signal des DAFV spricht. Wir sprechen mal mit den Jägern über den Eisvogel.

Wenn es jetzt tatsächlich zu einer Kampfkandidatur um das Präsidentenamt kommt, dann besteht für den Demokratieneuling  DAFV zumindest einmal Anlass und Chance, demokratischen Diskurs zu üben – und wir sollten uns nicht auf das Aufstöbern und Ausschlachten vermeintlicher Makel der Kandidaten reduzieren lassen. Das würde den Lernprozess, den wir alle brauchen, gnadenlos verhindern. Wir sollten stattdessen mitwirken an der Diskussion der unterschiedlichen Vorschläge, die die beiden Kandidaten machen und diese Stück für Stück über alle Ebenen und Gremien hinweg nach geordneten Spielregeln zu einem zeitgemäßen Mehrheitswillen werden lassen – aus dem Wettstreit um die beste Idee heraus. Das heißt Streit, aber das tut uns nicht weh und heißt auch nicht weniger Freundschaft und Solidarität untereinander. Wir alle müssen wieder lernen, uns gegenseitig zu respektieren, auch wenn wir, sei es beim catch & release, beim Keschereinsatz, beim Dorschschonmaß oder beim Nachtangelverbot, andere Meinungen haben. Und wir alle müssen neu lernen, mit Anglern zu reden, die das alles anders sehen als wir selber. Wir müssen die letzten Reste der Mohnertschen Denk-, Rede- und Sprechverbote endgültig und für alle Zeiten hinter uns lassen in dem Bewusstsein, dass es genau die waren, die uns in den dunkelfrostigen Keller der Bedeutungslosigkeit geführt haben, ein Umstand, für den es unumstößliche Beweise gibt.

Eine Kampfkandidatur, ein böser Begriff für etwas, das nichts anderes als Ideenwettstreit durch Personen ist, könnte dem eingerosteten Tankschiff DAFV und seinen Entscheidern, wie auch immer das ausgeht, im Hinblick auf die notwendige Re-Demokratisierung des Verbandes nur gut tun. Beide Seiten sollten das als Chance sehen und sich bewusst sein, dass sie selbst im Falle des Unterliegens damit dem Verband und den Anglern einen großen Dienst erwiesen haben. Deswegen besteht auch kein Grund, sich hinter Feigenblättern zu verstecken. Auch nicht gegenüber dem Anglerboard.

Dem Leser aber sei gewünscht, dass er selber und seiner Angelfreunde und alle, die sich dafür interessieren, Spaß haben werden an der Diskussion im Wahlkampf, dass er sich selber einbringen möge, wie anders seine Idee auch sei, dass er die Ideen anderer anhören und vielleicht sogar verstehen kann, es duldet, wenn sie gegen seinen Willen Mehrheit sind, in dem Bewusstsein, dass er weiter mitwirken und die Dinge ändern kann.

Der bevorstehende “Wahlkampf” ist keine Schmach für den DAFV, sondern eine Ehre. Und es ist zu hoffen, dass er unabhängig von seinem Ausgang ein Startsignal dafür ist, dass im DAFV wieder offen und restriktionsfrei, ungekuscht und kreativ über alle Dinge gesprochen werden kann, die dem Angler wirklich am Herzen liegen, nämlich dem angemessen erreichbarem Zugang zu ordentlichen Angelplätzen Das, und vor allem genau das, ist die vornehmste und wichtigste Aufgabe des DAFV. Wenn wir messen können, ob der DAFV diesem Kriterium entspricht, dann haben wir einen guten DAFV. Wer dazu beitragen möchte, dass es dazu kommt, der sollte die zwingende Gelegenheit dieser Kampfkandidatur nicht verstreichen lassen, sich einzubringen.

 

 

 

Angler auf der Grünen Woche?

Mit einigem Verzug möchte ich auf die Meldung des DAFV über das Stattfinden der Grünen Woche in Berlin eingehen (Homepage DAFV, Angler, Jäger und Fischer an einem Tisch, undatiert).

“Die Grüne Woche ist nach wie vor Treffpunkt der Vereine und Verbände, die im ländlichen Raum unterwegs sind” heißt es da. Das mag so sein – und dabei ist die Grüne Woche sogar eine der größten Ausstellungen auf diesem Sektor weltweit, jedenfalls ist es die Leitmesse für den ländlichen Raum im deutschsprachigen Gebiet. Dass der DAFV diese Bedeutung erkennt, ist angesichts der immensen Besucherzahlen und der Ausstrahlung in Ostdeutschland, aber nicht nur dort, prinzipiell erfreulich.

Warum aber ist der DAFV dann dort nicht mit einem eigenem Stand präsent, sondern setzt anders als die Jägerschaft und die Berufsfischerei ausschließlich auf deutlich kleinere, lediglich regional wirksame Spezialmessen? Entsteht dadurch nicht der sicher ungewollte Nebeneffekt, dass die Hobbyangelei gegenüber der Hobbyjagd und der Berufsfischerei unbedeutend ist?

Der offiziell angegebene Grund dafür, dass sich der DAFV nicht mehr mit einem eigenen Auftritt an der Internationalen Grünen Woche beteiligt, ist Geldknappheit. Ohne an dieser Stelle noch einmal einen Blick in die “Buchführung” des Verbandes zu werfen, kann ich auch angesichts der zahlreich ausgetretenen Landesverbände an die Notwendigkeit von Einsparungen im DAFV glauben. Diese hat es allerdings immer schon gegeben. Aber gehört es nicht eben auch zur “Kunst” guten Wirtschaftens, in Zeiten der Knappheit besonderen Augenmerk auf eine kluge Prioritätensetzung zu legen? Was die Anglerschaft hierzulande nötiger braucht denn je, ist eine breiten- und tiefenwirksame Öffentlichkeitsarbeit. Die Grüne Woche, bei der Fachpolitiker aus Bund und Ländern in einer sonst nicht am Stück erreichbaren Dichte zugegen sind, bot und bietet dazu die herausragende Plattform. Wer diese Vielzahl von Entscheidern jenseits der Grünen Woche erreichen will, muss einen unendlich viel höheren Aufwand betreiben, wenn es denn überhaupt im Laufe eines Jahres gelingt.

Sicher, die Messestände der beiden mittlerweile fusionierten Anglerverbände waren kostspielig. Dass Einsparungen auch hier erbracht werden mussten, ist nachvollziehbar. Aber musste es denn gleich ein Totalrückzug sein? Vermutlich haben die meisten Ausgabenbereiche des DAFV Kürzungen hinnehmen müssen. Aber nach wie vor gibt es eine beachtliche Anzahl von Veranstaltungen zum Fischen, Meeresfischen, im Umwelt- und im Gewässerreferentenbereich. Das Flaggschiff der Öffentlichkeitsarbeit, der Auftritt auf der Grünen Woche, wurde gänzlich abgewrackt. War das notwendig?

Im Budget schlug der Posten Grüne Woche derb zu Buche, keine Frage. Der Grund dafür lag, trotz der mit der Messeleitung seinerzeit günstigst ausgehandelten Konditionen, in der an Protz grenzenden Überdimensionierung des Standes. Das verursachte die hohen Standmieten, die nach Quadratmetern berechnet werden. Mit über vierhundert (sic !) Quadratmetern plus großer Castingwurffläche wurde selbst der solvente Jägerverband in den Schatten des Messehallenlichts gestellt. Hinzu kam eine riesige Standmannschaft – irgendwie muss ich da an Verbuttung denken – die ja auch für satte zehn Tage in Hotels einquartiert werden musste, Reisespesen extra. Auch ein sündhaft teures Großaquarium (wo ist das eigentlich geblieben?) musste gekauft und kostspielig an- und abtransportiert und eingelagert werden. Es gab sogar einen eigenen Koch für die Versorgung der Standmannschaft und einen Schlafplatz für den Präsidenten, falls dieser schon am Vormittag zu intensive “Jägergespräche” mit Jägermeistern abbekommen hatte. Lediglich Masseure und eine Sauna fehlten. Dafür ließ man sich in schöner Regelmäßigkeit, manchmal fast täglich, die seinerzeit noch kostspieligen Beamer klauen, deren Projektionen von den Standgästen, die mit dem billigsten Bier der Messe angelockt wurden, kaum verfolgt wurden.

Ich gebe ja kleinlaut zu, dass das irgendwie auch schöne Zeiten waren und ich dabei nicht ganz frei von Stolz auf “meinen” Verband war. Meine Kritik richtet sich auch gar nicht gegen diese Opulenz – sei es drum, wenn man es hat. Wenn man es aber nicht hat, dann geht vielleicht auch eine oder zwei Nummern kleiner… Es wäre sicher ohne weiteres möglich gewesen mit einem Viertel oder einem Fünftel des Budgets einen ausreichend repräsentativen Auftritt auf der Großmesse hinzulegen, zumal Frau Happach-Kasan, nach allem was man von ihr weiß, kein Plätzchen für den “Mittagsschlaf neben der Tierhalle” für sich beansprucht hätte. Hätten nicht auch 85 Quadratmeter die Anliegen der deutschen Angler gut transportieren können?!

Der Totalabbruch der Beziehungen zur Grünen Woche hat aber nicht nur ein enormes Loch in das ohnehin sehr dünnfädrige Lendenschürzchen der DAFV-Öffentlichkeitsarbeit gerissen. Es hat auch dazu geführt, dass die Anfang der 2000er Jahre ausgehandelten Superkonditionen kaum je wieder erreichbar sind. Denn die seinerzeitige, der Angelei durchaus gewogene Messeleitung ist mittlerweile durch eine streng wirtschaftlich ausgerichtete Truppe ersetzt worden, die lieber ganze Hallen ungenutzt lässt, als Rabatte zu gewähren. Vor diesem Hintergrund war das DAFV-Präsidium, als es in der ungewohnten Hysterie des Einsparzwangs sich zum Totalrückzug entschied, bestenfalls von Haushältern beraten, die kaum über eine Jahresscheibe hinausdenken. Der Weg zurück wird ohne entschlossenen Willen schwer und auf den Quadratmeter bezogen vermeidbar teuer. Das hat man ohne Not und Weitsicht verspielt.

Im Beitrag des DAFV vernehmen wir noch als selbstlobende Erwähnung, das mit “den Jägern”, die ja ähnliche Interessenlagen haben wie wir, ein Gespräch geführt wurde, über dessen Ergebnisse und Festlegungen wir entsprechend der allzu bekannten Manier der Presseerklärungen des DAFV erwartungsgemäß nichts erfahren. Aber man  freut sich, dass man mal miteinander gesprochen hat (auch wenn vermutlich im Vergleich zu alten Zeiten die Jägermeister eine deutlich kleinere Rolle gespielt haben dürften). Ich hoffe, dass das nicht das einzige Gespräch mit dem Bruderverband bleibt – trotz dessen besonderer Erwähnung durch den DAFV. Denn wie die Angler sind auch die Jäger Ziel unglaublich unsachlicher Anfeindungen durch den breitenwirksamen “Spendennaturschutz”, dem sich das DAFV-Präsidium weiterhin nicht entgegenstemmen will in der abstrusten  Hoffnung, das Totschweigen vielleicht doch eines Tages tötet. Ich muss bei diesem trostlosen Bericht an ein Gespräch an den ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister v. Heeremann denken, der bei mir offene Türen einrannte mit dem Vorschlag, die Geschäftsstellen des Angler-, des Jäger- und des Bauernverbandes in einem “wirklich grünen Haus” am Regierungssitz in Berlin unterzubringen, um von dort aus vermehrt und mit Synergieeffekten Politik und Öffentlichkeit anzusprechen. Damit konnte ich allerdings nicht durchdringen. Der VDSF zog es seinerzeit vor, im betulichen Offenbach zu verharren, weil das in der Mitte zwischen Berlin und Brüssel liege. Nach dem alten Satz der Öffentlichkeitsarbeiter: “Die Musik wird da gehört, wo sie gespielt wird” hätten die Angler jedenfalls gewaltiger Verstärker gebraucht, um an die Entscheider zu dringen. Aber trotz allem: schön, dass wir mal drüber gesprochen haben.

Ja, und dann der Eisvogel. Das arme Tierchen soll jetzt zum Vehikel der vereinbarten “intensivierten Zusammenarbeit” und für die “Vereinbarung gemeinsamer Positionen” werden. Man sollten den Artenschutz um die Komponente Schutz vor Tiermissbrauch durch Funktionärssprech ergänzen. Wie? Gemeinsame Positionen der Jäger und Angler und verbesserte Zusammenarbeit der Verbände? Darüber sinnieren wir auf dieser höchst unkonkreten Denkebene seit mindestens 35 Jahren nach. Nichts ist auf diesem wichtigen Feld seither angepackt worden, keine einzige verbindliche Vereinbarung wurde getroffen. Es wurde immerfort in der jägermeisternebelschwangeren Luft zugiger Messestände Small Talk betrieben! Wo ist der Antrag des DAFV-Präsidiums auf eine zusätzliche Personalstelle für die Verbesserung der Zusammenarbeit mit den wirklich grünen Verbänden? In welchem Bericht an die Jahreshauptversammlung findet das Thema überhaupt nur Erwähnung?

Es ist, hier wie überall, das alte Dilemma: Wir wollen etwas, wir machen etwas, wir reden etwas. Aber es gibt keine Ziele, wo wir hinwollen. Wir haben jetzt ein Büro in Brüssel hieß es zu meiner Zeit immer. (“Weitere Beispiele müssen gesucht werden.”) Klar war nur, was das kostet. Was das bringt, was es soll, darüber haben wir nie geredet. Wissen wir bis heute nicht.

Solange das so ist, wird der DAFV erfolglos bleiben und seine Mitglieder sich fragen, wozu das nutzt. Auch wenn wir nicht im Wirklich Grünen Haus in Berlin sitzen, durch den Einzug in das blau-gelbe Haus sind wir immerhin ein Stückchen in Berlin und können wenigstens mit unseren Beiträgen helfen, dass die Anglerpartei FDP ihre Miete aufbringen kann.

 

Von Küken und Fischen

Von Dr. Thomas Günther, Berlin

Soeben hat das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden, dass das massenweise Töten männlicher Küken in Brütereien mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist (Az. 20 A 488/15). In derartigen Betrieben ist üblich, dass 48 Millionen männliche Küken jährlich, da wirtschaftlich nicht verwertbar, nach der Geburt getötet und geschreddert werden.

Zur Begründung führte das Gericht aus, dass Verfahren, nach denen nur weibliche Küken geboren werden, noch nicht praxisreif seien.  Nach dem Tierschutzgesetz dürfen Wirbeltiere nur getötet bzw. ihnen Leiden zugefügt  werden, wenn es einen vernünftigen Grund gibt. Die Aufzucht der männlichen Küken sei mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden. Die Massentötungen seien daher zur Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Fleisch notwendig.

 

Ein Fallvergleich

Nehmen wir einmal an, neben dem Brütereibetrieb befindet sich ein Karpfenteich. Dort wirft gelegentlich ein Angler seine Rute aus. Ab und zu landet er einen Fisch, hakt ihn ab, fotografiert ihn und setzt ihn, da nicht verletzt, behutsam in sein Element zurück.

Auch auf Fische ist das Tierschutzgesetz anwendbar, obwohl der Schutz des Fischwohls im Bereich der Angelfischerei ausreichend durch das Fischereirecht geregelt sein könnte. Wird der Karpfenangler nun angezeigt, so ist es wahrscheinlich, dass er wegen Verstoßes gegen die gleiche Bestimmung bestraft wird, die dem Münsteraner Urteil zugrunde liegt.

Ein Fehlurteil?

Ist das Urteil des Oberverwaltungsgerichts falsch? Das Gericht hatte auf der Basis des geltenden Gesetzes zu entscheiden. Bei rechtspositivistischer Betrachtung ist die Entscheidung nachvollziehbar und frei von offensichtlichen Rechtsfehlern. Der Wortlaut legt den in der Begründung gewählten Gedankengang nahe, jedenfalls wenn man Wirtschaftlichkeitsargumente in der Frage, ob ein vernünftiger Grund vorliegt, anerkennt. Letzteres ist in der Rechtsprechung zum Tierschutzrecht gängig.

Jährlich 48 Millionen sinnlos getötete sogenannte Eintagesküken sollen in Ordnung sein, ein am Leben gelassener Karpfen aber strafbar? Hätte der Angler den Karpfen getötet und zu Hause nach Zubereitung weggeworfen, wäre er unzweifelhaft straffrei geblieben.

Darin liegt ganz offenkundig ein erheblicher Wertungswiderspruch, der weniger den Münsteraner Richtern, sondern dem Gesetzgeber anzulasten ist.

Wie kommt es zu dieser Ungleichbehandlung des Anglers? Zunächst einmal stehen ihm als vernünftigen Grund von vornherein Wirtschaftlichkeitsargumente nicht zur Verfügung. Denn seine Angelei ist reines Hobby und darf nach dem Fischereirecht keinesfalls wirtschaftlich genutzt werden.

Zum anderen ist der im Tierschutzgesetz angelegte Schutzgedanke tierindividuell. Bereits die Leidens- z.B. Stresszufügung eines einzelnen Tieres eröffnet die Anwendbarkeit des Gesetzes und ruft den Amtsrichter auf den Plan. Ausweitung des Tatbestands bei gleichzeitiger Verringerung der Möglichkeiten der Rechtfertigung über den vernünftigen Grund verschärft die Rechtslage des nicht tötenden Anglers, während nebenan millionenfach lästige (weil in ihrer Aufzucht teure) Wirbeltiere gnaden- und sinnlos gekillt werden. Und dabei ist es gerade die Massenhaftigkeit des Tötens, in der der vernünftige Grund begründet liegt, denn nur weil männliche Küken aufzuziehen viel Geld kosten würde, nur deswegen dürfen sie nach der Rechtslogik des Oberverwaltungsgerichts getötet werden.

Die Reaktion der Politik

Der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister hat deswegen den Bundesgesetzgeber aufgerufen, das Tierschutzrecht zu ändern und mit dem Tierschutz auch bei männlichen Küken ernst zu machen.

Das ist im Interesse der Küken zu begrüßen. Denn wenn es den Geflügelproduzenten nicht gelingt, die Geburt von männlichen Küken durch gentechnische Verfahren zu verhindern, dann sollten sie die Kosten für deren tierschutzkonforme Aufzucht als Nebenkosten der Produktion über den Preis ihrer Produkte (oder über Subventionen) erwirtschaften. Inwiefern sie dieses versucht haben, scheint das Gericht nicht geprüft zu haben, was man ihm in seiner Rechtsanwendung vorwerfen könnte. So aber stehen wirtschaftliche Argumente immer über anderen Rechtsgütern. Das erinnert fatal an die Anfangszeiten des Naturschutzes, der immer zurückstehen musste, wenn vermeintlich Arbeitsplätze gefährdet waren.

Reagiert der Gesetzgeber im Sinne des Landwirtschaftsministers, so wäre damit dem Angler voraussichtlich nicht geholfen. De lege lata erst recht nicht. Aber die politischen Weiterungen des Urteils, wenn es zu ihnen kommen sollte, böten aber Anlass, auch für die Angler mehr Rechtssicherheit bei der Anwendung des Tierschutzrechts zu schaffen.

Freibrief für Geflügelzüchter – Strafrecht für Angler?

In Anglerkreisen wird die Strafbarkeit des Zurücksetzens von Fischen unter der fälschlichen, zumindest irreführenden Überschrift catch & release seit vielen Jahren heftig diskutiert. Das Münsteraner Urteil dürfte weiteren Diskussionen weitere Nahrung geben. Sie müssen sich – zu Recht – gegenüber den Geflügelzüchtern benachteiligt fühlen. Seit Jahren droht ihnen für das Zurücksetzen (also: Amlebenlassen!) eines einzelnen (!) Fisches ohne Verwertungsabsicht bereits Verurteilung, unabhängig davon, ob sie gar keinen Fisch entnehmen wollen (sogen. Trophäenangeln) oder ob sie selektiv den Fisch entnehmen wollen, dessen Entnahme biotopgerecht ist und zugleich ihrem Verwertungsziel entspricht (sogen. Selektives Angeln, catch & decide). Sie müssen das Urteil aus Münster als grob ungerecht und unverhältnismäßig empfinden.

Tierschutzrecht versus Tierethik?

Bei einer Neuregelung, wenn es dazu kommt. wird es darum gehen, ob das Tierschutzrecht in Deutschland den Anforderungen einer zeitgemäßen und mit dem Grundgesetz zu vereinbarenden Tierethik entspricht.

Das ist ganz offenkundig derzeit nicht der Fall. Das zeigt auch ein weiteres Beispiel, nämlich die Behandlung des Beifangs in der kommerziellen Meeres- und Küstenfischerei. Wirtschaftlich nicht verwertbare Fischarten, die in der Netzfischerei immer mitgefangen werden, werden sinnlos getötet, weil ihr schonendes Zurücksetzen angeblich betriebswirtschaftlich nicht dargestellt werden kann. Sowohl der Beifang, als auch die Massentötung männlicher Küken zeigen, dass das Tierschutzrecht gerade bei massiven Verletzungen individueller Tierrechte (trotz seines individualistischen Ansatzes) vor ökonomischen Zweckmäßigkeitserwägungen versagt, während es gleichzeitig bei geringfügigen Beeinträchtigungen drakonisch abstraft. Man muss sich bei dieser Fallgegenüberstellung klarmachen, dass der Angler eben nicht wegen einer Tiertötung bestraft wird, sondern wegen des Angelns. Seine Strafbarkeit wird nicht damit begründet, dass er ein Tier tötet, sondern damit, dass Haken, Landen, Abhaken und Zurücksetzen dem Fisch Stress und damit Leiden zufüge, für das es, wenn er den gefangen Fisch nicht essen will, keinen vernünftigen Grund gebe. Erwiesenermaßen führen diese Beeinträchtigungen beim Fisch jedenfalls bei fachgerechter Ausübung der Angelei regelmäßig nicht zu bleibenden Schäden. Der Eingriff kann also getrost als geringfügig eingestuft werden. Zugespitzt könnte man sagen, dass das Tierschutzgesetz die kleinen „Tiertraktierer“ bestraft, die großen aber systematisch laufen lässt, gerade weil sie Tiermassen vernichten. Dass die Angler insgesamt erhebliche (ehrenamtliche) Beiträge zum Natur-, Gewässer- und Biotopschutz erbringen, bleibt bei der individualistischen Betrachtungsweise anders als Wirtschaftlichkeitserwägungen von profitorientierten Unternehmen unberücksichtigt.

Gute fachliche Praxis als Lösung?

Agrarrechtler könnten einwenden, dass Eingriffe, die im Rahmen einer fachgerecht ausgeübten, auf dem Stand der Forschung stehenden Fachpraxis erfolgen, grundsätzlich nicht dem Tierschutzrecht widersprechen. Wenn die Kükenmassentötung für die Geflügel- und Eierproduktion alternativlos und fachgerecht wäre, dann käme man zu einem ähnlichen Ergebnis wie das Oberverwaltungsgericht.

Dieses Rechtsinstitut der guten fachlichen Praxis besteht bereits für die Landwirtschaft. Aber warum sollte es dann nicht auch für die Jagd und die Angelei gelten, Betätigungen, zu denen man ebenfalls erst nach Bestehen einer Fachprüfung Zugang hat?

Mit diesem Argument ließe sich die Massentötung, wenn man denn will, eher begründen, jedenfalls wenn es für alle qualifizierten „Tiernutzergruppen“, wie es im Fachjargon heißt, gelten würde. Dann wäre der Wertungswiderspruch des Fallvergleichs jedenfalls aufgelöst, denn der Angler bliebe straffrei, wenn das Zurücksetzen der guten fachlichen Praxis entspräche.

Verzerrte Schutzwirkung – auf dem „industriellen Auge“ blind?

Die gängige Rechtsfertigung durch ökonomische Argumente (zu denen letztlich auch die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln gehört), relativiert den Schutz des Tierindividuums auf Fälle, in denen der Eingriff durch Amateure – unabhängig von ihrer Fachkunde (!) – erfolgt. Zu dem unaufgelösten tierethischen Konflikt treten so Probleme der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung – auf die das Oberverwaltungsgericht natürlich nicht eingeht.

Man kann das Münsteraner Urteil nicht als Ausreißer abtun, auch wenn es noch nicht rechtskräftig geworden ist. Es liegt in der fatalen Konsequenz des geltenden Tierschutzrechts, welches sich in einem sowohl unter rechtlichen, als auch ethischen Gesichtspunkten betrachtet in einem beklagenswerten Zustand befindet.

Die Probleme der Massentiertötung, sei es von männlichen Küken, des Beifangs der kommerziellen Fischerei oder in anderen Bereichen entstehen allein durch die Praxis der industriellen Massentierproduktion; und diese Probleme sind gravierend. Sie bedürfen einer Lösung, zu der ausgerechnet das deutsche Tierschutzrecht keinen Beitrag leistet.

Deswegen ist der Gesetzgeber aufgefordert zu handeln. Bei der längst überfälligen Novellierung des Tierschutzgesetzes sollte er seinen Horizont jedoch nicht auf den vorliegenden Einzelfall verengen. Er sollte vielmehr das gesamte Schutzspektrum des Gesetzes betrachten, d.h. sowohl den Schutz gegenüber Eingriffen von 1.) Einzelpersonen, als auch von 2.) fachlich geschulten (und rechtlich zugelassenen) nichtprofessionellen und 3.) kommerziellen Tiernutzern betrachten. Dabei muss die Schutzwirkung entweder auf den Kreis der Einzelpersonen beschränkt werden (z.B. durch Einführung der guten fachlichen Praxis für alle zugelassenen Nutzergruppen) oder aber in der Schutzwirkung im Vergleich der Nutzergruppen zueinander verhältnismäßig ausgestaltet werden. Es ist mit dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz nicht vereinbar, das Angeln ohne Verwertungsabsicht unter Strafandrohung zu stellen, die vollendete Massentiertötung aus ökonomischer Bequemlichkeit jedoch verantwortungsfrei zu stellen. Wer den größeren Schaden (hier: am Schutzgut Tierrechte) anrichtet, muss stärker sanktioniert werden als derjenige, dessen Eingriff nur minimal ist.

Kostenminimierung als wichtiger Grund für die Verletzung der Tierrechte?

Der Fallvergleich zeigt auch, wie untauglich die gesetzliche Konstruktion ist, durch die ein Tierschutzverstoß entfällt, wenn ein vernünftiger Grund vorliegt (§ 1 Satz 2, § 17 Tierschutzgesetz). Der Rechtfertigungsgrund besteht in einem höchst unkonkret formulierten unbestimmten Rechtsbegriff, dessen Auslegung leicht zu Rechtsunsicherheiten führen muss, aber eben auch zu den aufgezeigten Wertungswidersprüchen.

Längst hat das Umwelt- und Naturschutzrecht den Vorrang der Ökonomie abgeschüttelt, also jenes Prinzip, nachdem die Natur nur geschützt wurde, wenn dadurch keine Arbeitsplätze oder Wirtschaftsunternehmen gefährdet wurden. Im Tierschutzrecht aber feiert, wie nicht nur das Urteil des Münsteraner Oberverwaltungsgericht zeigt, der Vorrang der Ökonomie vor der Ökologie weiterhin unzeitgemäße Urstände. Wer mehr Tierschutz möchte, und das ist kein geringer Teil unserer Bevölkerung, der kommt nicht umhin, alle Tiernutzergruppen in die Verpflichtungen gegenüber dem Tierschutz einzubeziehen, auch wenn dieses hier und da zu höheren Produktionskosten führt, die am Ende ohnehin der Verbraucher, also der Souverän trägt. Hat das Gericht geprüft, ob der Verbraucher nicht bereit wäre, die Kosten der Hahnaufzucht im Rahmen einer ökologischen Geflügelzucht durch höhere Verbraucherpreise bei Eiern und Geflügelprodukte zu übernehmen? Stattdessen bestätigt das Urteil den bestehenden Rechtszustand, nachdem ein wirtschaftlich nicht verwertbares Tierleben keinen Wert hat und keines Schutzes bedarf. Es ist zu bezweifeln, ob dieses mit dem grundgesetzlich verankerten Staatsziel des Tierschutzes vereinbar ist. Jenseits des Verfassungsrechts aber ist es tierethisch unerträglich, jemanden, der ein Wildtier leben lässt, dafür zu bestrafen, während derjenige, der wissentlich Massen von männlichen Küken produziert, um diese von vornherein geplant massenhaft zu töten, keine Sanktionen zu befürchten hat. Die Schieflage, die hier entstanden ist, sollte schnellstens beseitigt werden.

Wo wird der organisierte Natur- und Tierschutz stehen?

Man darf gespannt auf die Reaktionen der Lobbygruppen sein. Zu hoffen ist, dass diese differenziert ausfallen.

Reine Tierschutzorganisationen dürften die Sanktionierbarkeit der Geflügelzüchter fordern, ohne von den Anglern das Damoklesschwert der Verurteilung zu nehmen.

Ernsthafte ökologische Verbände, so ist zumindest zu hoffen, sollten Seite an Seite mit allen Nutzerverbänden für eine ausgewogene Ausrichtung des Tierschutzes eintreten, die jenseits eines Freibriefs für kommerzielle Tiernutzer dort fokussiert, wo die stärksten Eingriffe in Tierrechte erfolgen.

Die Anglerverbände sollten deutlich machen, dass Amlebenlassen nicht stärker bestraft werden darf als Massentötung, die auch durch Profitstreben nicht zu rechtfertigen ist.

Krieg?

Islamisten führen immer ins Feld, der “Westen” attackiere ihre Brüder und Schwestern. Ein Krieg, der keine militärischen Ziele treffen will, sondern ausschließlich zivile Opfer hervorrufen will, ist vor allem und eigentlich nichts anderes als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und kann deswegen auch nicht “gewonnen” werden.

Reformfähigkeit? – Nein, danke!

Gerade vernahmen wir noch die Wiesbadener Elegien des hessischen Präsidenten Däschler, der in einem „offenen“, aber nicht veröffentlichten Brief Reformwillen und Reformanstrengungen der Landesverbände anmahnte in Bezug auf den siechenden Deutschen Angelfischerverband (DAFV).

Wenige Tage später nur mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass die Jahreshauptversammlung in nur zwei Stunden den „Kurs“ des DAFV-Präsidiums (Kurs ist da wirklich das falsche Wort, denn das hat etwas mit einem bestimmten Ziel zu tun) en bloc abgesegnet hat. Ohne weitere Aussprache wurden Beitragserhöhungen beschlossen, die frecherweise mit der Bildung einer Rücklage für den Kauf einer Geschäftsstellenimmobilie in Berlin begründet wurde. Dabei weiß jeder Funktionär (und die interessierte Öffentlichkeit), dass die Austrittswelle einer ganzen Reihe von zum Teil großen Landesverbänden zu derart immensen Einnahmeausfällen geführt hat, dass die Folgen nicht nur für das operative Geschäft des Bundesverbandes, sondern auch für seine materielle Existenz, noch gar nicht abzusehen sind. Während bereits die unübersehbare Krise genügend Diskussionsstoff geboten hätte, so hätte doch erst recht die vollkommen absurde Begründung der Beitragserhöhung einen Entrüstungssturm der Delegierten auslösen müssen. Von nichts dergleichen können die Beobachter berichten.

Sicher, die vom DAV übernommene Geschäftsstelle im Berliner Osten ist nicht nur marode, sondern auch bei drängenden Reparaturmaßnahmen für eine halbwegs organisierte Lobbyarbeit am Sitz der Bundesregierung, des Bundestages und der Parteien ungeeignet. Es ist also nicht einmal falsch, über einen besseren, geeigneteren Standort des DAFV in Berlin nachzudenken. Nur: eine solche Kraftanstrengung wie der Aufbau und die Finanzierung einer lobbytauglichen Geschäftsstelle in Berlin kann nicht zu Unzeiten zum alleinseligmachenden Thema gemacht werden. Wer knapp an der Insolvenz vorbeischrammt, wenn er denn darum herum kommt, und währenddessen über einen Hausbau und die Anschaffung eines Luxuswagens nachsinnt, dem sagt man leicht Lebensuntüchtigkeit nach. Das gilt auch für beitragsfinanzierte Verbände. Ohne einen Plan, wie der DAFV wieder materiell auf die Beine kommt, ist alles Nachdenken über Investition in repräsentativere Immobilien nicht nur geruchsbehaftet, sondern fahrlässig. Wer absäuft, plant keine Weltreisen. Es ist auch längst nicht ausgemacht, dass die vielen ausgetretenen Landesverbände in einem Anfall urplötzlicher Begeisterung in den DAFV zurückeilen, nur weil in Berlin ein paar frisch tapezierte Besprechungsräume vorgehalten werden.

Richtig ist, dass zwei Geschäftsstellen, wie es die Vereinigungspapiere festschreiben, nicht notwendig und auch nicht gewinnbringend sind. Sie verbrennen sozialverträglich das Geld der Angler. Richtig ist auch, dass der Standort des DAFV, wenn er denn irgendwann einmal von politischen Kreisen auf Bundesebene ernst genommen werden will, in Berlin sein muss. Auch dass man dafür Vorsorge trifft, sich das eines Tages leisten zu können, ist nicht zu beanstanden.

Aber dass man die Grundstruktur des DAFV und seiner Finanzen erst einmal in den Griff bekommen muss, bevor man an Projekte solcher Dimension angeht, dass man einen Plan zur Sanierung wenigstens haben und begonnen haben sollte, bevor man über Großvorhaben spekuliert, dass ist genauso richtig. Eine Berliner Immobilie ist kein kostengünstiges Vorhaben. Dazu sind die Preise in Berlin längst nicht mehr die, die es mal waren.

Wer wollte es angesichts dieser Beschlusslage den ausgetretenen Landesverbänden verdenken, wenn sie ihre Rückkehr in den DAFV auf einen Zeitpunkt verschöben, an dem die Hypothek für die Berliner Repräsentanz von den wenigen jetzt im DAFV verbliebenen Mitgliedern abbezahlt ist? Schöner Wohnen wird noch schöner, wenn es man sich nicht an den Anschaffungskosten beteiligen muss.

Längst ist es müßig geworden, anzuprangern, dass das DAFV-Präsidium solche fatalen Signale setzt. Derer gibt es in den letzten zwei Jahren seit der Gründung dieses arbeitsunfähigen Gebildes schon zu viele. Die Welt ist voll von Fehlanreizen – warum sollte das bei organisierten Anglern anders sein!?

Aber dass die Delegierten der Landesverbände einem DAFV, der wenig leistet und künftig deutlich mehr kostet, alles, aber auch wirklich alles gnadenlos durchgehen lässt, wirkt wie ein Menetekel für die Reformbemühungen! Fast scheint es so, als hätte das Präsidium auf die Mut- und Sprachlosigkeit der untereinander nicht annähernd einigen Landesverbände gesetzt – und aus seiner Sicht „gewonnen“. Gewonnen im Sinne von wieder eine Jahreshauptversammlung überlebt. Zu Weihnachten jedenfalls werden wir Angler keine Lobbyarbeit bekommen, keine Repräsentanz am Regierungssitz, keine Finanzreform des geschrumpften DAFV, sondern eine höhere Rechnung. Und keiner von uns wird erklären können, wofür das alles ist. Mitgliederwerbung jedenfalls sieht anders aus.

Wer so wortlos, machtlos gegenüber dem Bundesverband auftritt, ob aus Indolenz oder Angst vor Repressalien oder Intrigen, der leistet keinen Beitrag zur Reformierung des DAFV, die von Däschler und nicht wenigen anderen für dringend erforderlich gehalten wird. Der liefert den Beton, mit dem die derben Risse im alten VDSF-Fundament geflickschustert werden sollen.

Und zugleich bereitet er Däschler eine überaus schmerzhafte Absage, ja eine tüchtige Klatsche. Man mag an Däschlers unabgestimmten Vorpreschen einiges kritisieren, mit Recht. Aber er hat erkannt, dass Ausgangspunkt und Motor der notwendigen DAFV-Reformen nicht bei der DAFV-Spitze liegen, sondern in den Landesverbänden. Die sind nicht nur uneins, weil sie aus zwei völlig unterschiedlichen Anglerwelten zusammengebündelt worden, sondern auch, weil sie untereinander zu wenig im Dialog sind. Eine Allianz von aktiven, größeren Landesverbänden, die sich auch gegen den Kurs des Bundesverbandes verbünden und entschieden voranschreiten, hat es zuletzt gegeben, als es in heller Panik darum ging, eine neue Amtszeit des ehemaligen VDSF-Präsidenten Mohnert zu verhindern. Leider hat man dabei den neuen DAFV gleich mitverbrannt. Seither liegt fast jeder mit jedem im Widerstreit.

Eine solche Koalition der Wissenden hat Däschler gegen die DAFV-Präsidentin Happach-Kasan nicht zustande gebracht; vielleicht genießt sie bei vielen noch immer viel zu viel Welpenschutz. Däschler jedenfalls wird es nach dieser Sitzung nicht ein zweites Mal versuchen (von den Unbilden, die ihm jetzt auf heimischen Terrain drohen, einmal ganz abgesehen). Weitere Rebellionen deuten sich auf Länderebene nicht an; die potenziellen Helden sind längst in der inneren Emigration oder in der scheinbequemen Warteschleife auf bessere Zeiten.

Der DAFV aber wird sich in seinem Weiter-so-Kurs bestätigt fühlen. Einsatz für die Belange der Angler ist also, auf Jahre hinaus, nicht zu erwarten. Vielleicht schafft man es, die Insolvenz abzuwenden. Aber wem wäre damit gedient?

 

Nickelig – Die Nerven liegen blank

Wer noch immer den einen oder anderen Cent auf den Deutschen Angelfischerverband DAFV setzt oder aus purer Nostalgie heimlich vor sich hinhofft, dass der kränkelnde Erbe des VDSF und des DAV es irgendwie doch noch schafft, der wird in diesen Tagen arg strapaziert. Denn nach all den Monaten voller bad news wäre eine gute Nachricht nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit eine willkommene Abwechselung. Doch Murphy’s Gesetz scheint ein neues Exempel statuieren zu wollen. Im DAFV also nichts Neues, außer Schlechtes. Selbst ich kann kaum ein goldenes Haar finden. Aber statt abfälliger Bewertungen will ich versuchen, so positiv wie möglich zu berichten.

Während offiziell und öffentlich so gut wie nichts sichtbar wird außer gelegentlichem “Weiter so wie zu VDSF-Zeiten” zuckt und ruckelt es im Inneren des Verbandes doch recht ungemütlich. Da ist zunächst ein neuer Akteur auf der Bühne, der frisch und mit der Allmacht der Einstimmigkeit gewählte Hessenpräsident. Forsch und frei tritt er auf und setzt Duftmarken. Das ist sein gutes Recht wenn nicht gar seine Schuldigkeit. Nur am Rande darf ich vermerken, dass Hessen schon immer erfolgreich versucht hat, Einfluss auf den Bundesverband zu nehmen. Gert Wenderoth ist mir da, auf seine Art, in lebhafter Erinnerung und er sei an dieser Stelle gegrüßt. Die Hessen haben aber auch etwas geschafft, was dem Bundesverband fehlt. Nämlich eine gelungene Fusion! Deren Chef ist nun Klaus Däschler. Ihm sei eine glückliche Hand gewünscht – was immer das auch sei.

Von jetzt an wird es kompliziert, weil multidimensional. Wer vorschnell ist und alles schluckt, statt es sich auf der Zunge zergehen zu lassen, soll mal die anderen vorlassen.

Der hessische Verband hat seinerzeit, als die Fusion auf Bundesebene am Gezeter des damaligen VDSF-Präsidenten zu scheitern drohte,  im Verbund mit anderen Landesverbänden massiv Druck gemacht, einen schnellen Zusammenschluss zu erzwingen. Schnell, das bedeutete vor allem eine schnelle Verabschiedung des überreifen VDSF-Präsidenten Peter Mohnert, schnell bedeutete aber auch eine handwerklich unausgereifte, miserable Fusion. Darunter leidet der DAFV seither und bis heute. Darüber wird täglich gesprochen und berichtet.

Die amtierende Präsidentin, Frau Dr. Happach-Kasan, hat genauso schnell, wie sie – man gestatte mir die Metapher – einer Jungfrau gleich zum Kinde, von der Schnellfusioniererfraktion unter den Landesverbänden ins Amt geprügelt wurde, die Folgen der Überhastung und der Fehlerhaftigkeit des Fusionsmanagements zu spüren bekommen. Dabei ist bis heute – die Dame ist nicht kommunikationswütig – nicht klar, ob ihr das bewusst ist oder nicht. Ob sie ihre Rezensionen liest, ist bis heute ungeklärt. Jedenfalls hat sie auf die fusions- und zeitenwandelbedingten Änderungen ganz klar reagiert: indem sie so weitermachte, wie es auch ein längst dem fossilen Zeitalter zuzuordnender Peter Mohnert getan hätte. Das wundert nicht. Kannte sie doch außer dem Ex-VDSF-Präsidenten kaum einen Einflußträger, geschweige denn, wie der Verband “tickt”. Kaum überraschend, dass ihre Strategie darin bestand, ihren “West-Vorgänger” so gut es geht zu kopieren.

Sie setzte also fort, was fortgewünscht war: Die Alt-Landjunkermanier eines Gewählten, der die Gremien und die Basis ignoriert, eigenmächtig pseudopolitisiert, selbst Vizepräsidenten erst im Nachhinein über brisanteste Aktionen informiert (“wenn das Kind erst in den Brunnen gestoßen war”), sich jeden Dialog oder gar Kritik verbittend, alleinherrschend, undemokratisch und auf antiquiert-archaische Weise autoritär. Die Wucht des Amtes würde es schon richten. Diesen Kurs setzte sie fort, ja überspitzte ihn sogar, als die Koalition der Schnellfusionierer zerbrach und eine stattliche Reihe von Landesverbänden ihren Austritt verkündeten. Der mächtige Verband aus Bayern, der eben noch die Turbofusion und Beseitigung von Peter Mohnert betrieben hatte, hat die inhaltlichen Mängel des Bundesverbandes beschrieben – und wurde klar ignoriert. Statt Kritikern ein Ohr zu geben, hat sie schlichtweg versucht, die Lasten der Mindereinnahmen auf diejenigen zu verteilen, die aus Loyalität (dem Verband gegenüber, nicht der Person) noch nicht ausgetreten waren. Beitragserhöhungen ohne (Gegen-) Leistungen, das gefällt kaum jemandem und erhöht den Binnendruck. Ganz nebenbei wurden – fast selbstverständlich – die Kritiker von außen, die es ja zu Peter Mohnerts Zeiten nicht gab, ignoriert, totgeschwiegen und bestenfalls ignoriert. Was sie übersah war, dass deren Kritik nicht nur auf ihr und ihrem Präsidium lastete, sondern auch die Vorstände der Landesverbände drückte. Wirklich verstanden hat das niemand.

Kein Geld, kein Plan, keine Ziele – kein Wunder, dass die Geduldsfäden auf Landesebene in Serie rissen. Die Austrittswelle wuchs, mehr und mehr suchten die Landesverbände ihr Vertretungsheil außerhalb des DAFV, etwa im Deutschen Fischereiverband. Mahnende Worte, selbst von höherer Stelle, bewirkten nichts. Unzufrieden waren und sind alle. Wer fühlt sich da noch wahr- und ernstgenommen?!

Dass es ausgerechnet ein Schnellfusions-Verband wie Hessen einer ist, der seiner Ungeduld Sprache verleiht, hängt mit den Funktionsstrukturen des alten VDSF zusammen. Dort war man wer, auch wenn man es heute durch das Hinzutreten der Ostverbände und der Übergewichtigkeit der Spartenverbände nicht mehr ist. Wie den alten Einfluss zurückgewinnen?

Dass durch die No-Information-Politik des Bundesverbandes entstandene argumentative Vakuum brachte die Landesverbände, die in aller Regel die zusätzlichen Geldforderungen des Bundesverbandes “verkaufen” mussten, vor ihren Mitgliedern in arge Bedrängnis. Beitragserhöhungen bei Leistungsreduzierungen – wie soll man das schmackhaft machen? Bei dieser Aufgabe hat der Bundesverband seine eigenen Landesverbände komplett allein gelassen.

So kam es, wie es kommen musste: irgendwann würde einer Alarm schlagen.. Der DAFV tat nichts, um das zu vermeiden. Der Binnendruck schwoll an – das Bundespräsidium stellte sich taub und stumm. Anfragen aus den Landesverbänden wurden schlichtweg ignoriert. Kein Wunder also, dass nach langen Monaten der Duldsamkeit ein respektvoller Umgang angemahnt wurde. Gemeint war: wenn wir fragen stellen, dann wollen wir auch eine Antwort.

Stattdessen verfiel das Präsidium in unerhörte Lakonie: Wenn der Verbandsausschuss uns machen lässt, dann sind die Wünsche selbst von zehn Landesverbänden ignorabel. Einen heftigeren Schlag ins Gesicht kann man einem Landespräsidenten kaum verabreichen (es sei denn im Geschäft “hintenherum”, also der Intrige). Wie soll er diese Antwort an seine Mitglieder bringen? So ist nicht verwunderlich, dass der tatendurstige neue Hessenpräsident nachfasste und sich ein Email-Dialog entspann, der sich mehr und mehr aufschaukelte und schließlich in einer Rücktrittsforderung gipfelte  Erzürnt und unsouverän leitete die Präsidentin diese an alle Landesverbände weiter mit der geschmacklos deplazierten Forderung, hierzu Stellung zu nehmen. Spalten ist einfacher als integrieren, aber eben nicht Aufgabe einer Präsidentin. Verletzt, empört, man kann es menschlich verstehen, aber es ist grob unprofessionell. Die LV-Präsidien sollen sich nun für sie und gegen Hessen stellen (oder umgekehrt) – und das alles außerhalb der Gremien, obwohl sie doch eben noch schrieb, dass die Meinungen der Landesverbände nichts gelte gegen jene des Verbandsausschusses. Warum stellt sie nicht die Vertrauensfrage in der Hauptversammlung? Den Hessen ist gelungen, die Hilf- und Ahnungslosigkeit der DAFV-Präsidentin vor aller Augen zu führen.

Gewonnen ist damit noch nichts. Sicher: Happach-Kasan hat sich in den zwei Jahren ihrer Amtszeit nicht bewährt. Keiner durfte Wunderdinge von ihr erwarten (zu schwach sind auch die Unterstützungsfunktionen der anderen Präsidiumsmitglieder). Aber sie hat sich strikt und bis heute geweigert, die strukturellen Mängel der Fusion zu sehen und als anzugehendes Problem deutlich zu benennen. Sie hat alle Schwierigkeiten auf die LV-Präsidenten abzuwälzen versucht (bewusst oder unbewusst) – kein Wunder, dass die anfangen, zurückschlagen.

Dass das im Falle Hessens nicht allzu überzeugend ist, darauf hat der Berliner VDSF-Verband hingewiesen. Zwar teilt man dort die Kritik am Bundesverband hundertprozentig. Aber man erinnert auch (dafür kann Däschler nichts) an die Rolle Hessens bei der Fusionsbeschleunigung und an jenes altmodisch anmutende Wort der “Verbandsloyalität” (wobei ich – trotz allem – meinem Landesverband dafür sehr dankbar bin). Vorausgegangen war ein Schreiben Däschlers an die LV-Präsidenten, man möge doch Stellung beziehen und jetzt mitwirken an einer revolutionären Verbandsrettung. Die Glaubwürdigkeit des hessischen Verbandes, der schon seit ewig direktes Mitglied im Deutschen Fischereiverband ist, mag dabei garn nicht hinterfragt werden. Der VDSF Berlin-Brandenburg, der noch immer so heißt, ist jedenfalls dafür zu loben, dass er seinen Mitgliedern und der Öffentlichkeit die Chance gab, all das zur Kenntnis zu nehmen, indem er das im Internet veröffentlichte.

Der Flurschaden ist immens, aber notwendig, um zu neue Ufern zu kommen. Happach-Kasan hat eine letzte Chance, wenn sie das Ruder herumreißt, Klar aber zeigt sich, dass im Inneren des DAFV die Nerven blank liegen, wie selten zuvor. So zu tun, als wäre alles normal, wäre kindisch, ist aber zu erwarten. Die Hessen haben, wie viele andere, in einem Punkt recht: an dieser Frage entscheidet sich die Zukunft des Verbandes! Nimmt Happach-Kasan diesen Staffelstab auf, kann vieles gerettet werden. Tut sie es nicht, ist der Verband verloren. Dass sie das erkannt hat, darauf deutet bis heute nichs.

Wir, die Lügner

Von Dr. Thomas Günther, ehem. VDSF-Vizepräsident

Die Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV), Frau Dr. Christel Happach-Kasan, besucht Hauptversammlungen von angeschlossenen Landesverbänden. Sie besucht sie nicht nur, sie hält dort auch Reden. So zuletzt in Nordrhein-Westfalen, Ende März beim Verband Westfalen und Lippe. Ich hoffe, das darf man öffentlich schreiben.

Wie von mehreren anwesenden Zeugen unabhängig voneinander berichtet, äußerte sie dort  in Bezug auf das freie Internet-Forum „Anglerboard.de“, dass dort Falschinformationen verbreitet würden und die Verbände keinerlei Möglichkeit der Berichtigung hätten, da deren Klarstellungen sofort gelöscht würden.

Nun kann man vom Anglerboard halten, was man will. Es nimmt jedoch ohne Zweifel unter den freien Internetforen zum Thema Angeln allein schon aufgrund seiner Reichtweite und Nutzerzahl eine herausragende Stellung ein. Intensiv und fortlaufend wird dort aus dem Verbandsgeschehen berichtet. Nicht immer in journalistischen Glanzleistungen – die Qualität des Forums ist hier nicht Gegenstand – aber hart an der Sache und immer darum bemüht, Fakten zu transportieren, die zu veröffentlichen der DAFV nicht willens oder in der Lage ist. Und nicht selten aus Quellen, die das Verbandsgeschehen als Funktionäre selbst hautnah erleben. Mehrfach hat das Anglerboard Fragen an das DAFV-Präsidium geschickt und die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben. All diese Chancen hat der DAFV ungenutzt gelassen. Dabei gäbe es gute Gründe für die Öffentlichkeitsarbeit des DAFV, das Anglerboard nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern als zeitgemäßes Medium im Bereich Angeln anzuerkennen.

Das Anglerboard nimmt überwiegend eine kritische Haltung zur Fusion der beiden deutschen Anglerverbände Verband Deutscher Sportfischer und Deutscher Anglerverband, sowie zur Arbeit des DAFV seit seiner Gründung ein. Diese Themen werden jedoch oftmals kontrovers diskutiert.

Frau Dr. Happach-Kasan wirft diesem Diskussionspodium nun, wohl nicht zum ersten mal, die Verbreitung von Falschinformationen vor. Sie bezichtigt also die AB-Redaktion der Lüge. Allerdings bleibt sie schuldig, konkret zu benennen, welche Informationen im AB falsch sind. Nicht ein einziges Beispiel für eine Lüge des Anglerboards hält sie für nötig anzuführen. So bleibt ihr Verdikt eine bloße Diffamierung; ähnlich der Denunziation der deutschen Presselandschaft als „Lügenpresse“, wie sie bei der unsäglichen Pegida gebräuchlich ist. Das überrascht für eine ehemalige F.D.P.-Politikerin. Wie für Pegida ist für die Präsidentin die Sache sehr einfach: Sie haben die Wahrheit, die anderen lügen, also nehmen wir sie nicht mehr zur Kenntnis. Populismus pur!

Und bequem ist es auch. Man muss nicht einmal Gegendarstellungen schreiben – geschweige denn argumentieren. Denn mit Lügnern, so die schlichte wie eingängige Logik, diskutiert man nicht. Wer ist man denn? Geredet wird nur mit Menschen – und der Mensch fängt beim Spitzenfunktionär an.

Man könnte diesen gequirlten Humbug ignorieren, wenn nicht die verstimmende Absicht deutlich würde, möglichst alle Verantwortungsträger dazu zu bringen, die Lektüre des Anglerboards einzustellen und sich ins Informationsvakuum zu begeben, das der DAFV systematisch zu erzeugen versucht. Manch einer der ehrenwerten Vorstände von Verbänden und Vereinen soll glauben, dass die Wahrheit vom DAFV-Präsidium monopolisiert ist. Kritikerbashing statt Auseinandersetzung. Ist das die demokratische Grundüberzeugung, die Frau Dr. Christel Happach-Kasan im Bundestag gelernt hat?

Offenbar. Denn auch beim Thema Richtigstellung durch den Verband bleibt die Präsidentin konkrete Beispiele für die behaupteten gelöschten Beiträge des DAFV schuldig. Nie geschriebene Antworten sind etwas anderes als unterdrückte Beiträge. Mir jedenfalls, der ich das Anglerboard und seinen Themenkomplex „Angeln in Politik und Verbänden“ seit Juni 2011 (also lange, bevor es den DAFV und eine Präsidentin Happach-Kasan gab) verfolge, ist eine solche Löschung nicht untergekommen. In dem von mir am 4.6.2014 gestarteten Themenstrang „Warum Angler nicht für den Castingsport zahlen sollten“ behandelte ich ein für die Verbandspolitik fundamentales Thema, nämlich die Finanzierung des Sports im Anglerverband. Das Thema erreichte innerhalb weniger Tage über 8.000 Hits, bis heute sind es mehr als 11.000. Knapp 200 Antworten gingen ein, davon nicht eine einzige von einem verantwortlichen Funktionär (wohl aber einige von Sportlern an der Basis). Dass hier irgendjemand Verantwortliches vom Verband auch nur eine Reaktion versucht hätte, kann man getrost vergessen. Da war reineweg gar nichts, was zu löschen gewesen wäre. Aber vermutlich war alles, was ich in meinem Startbeitrag geschrieben habe, für den DAFV eine „Falschinformation“. Merkwürdig nur, dass der Bundesverband kurz darauf die Konsequenzen zog und die Castingfinanzierung rigide reduzierte, so wie es kurz zuvor der Landesverband Berlin-Brandenburg tun musste.

Vor ein paar Tagen startete im Anglerboard ein Thema, bei dem ausschließlich über Positives am DAFV gesprochen werden sollte. Wieder fand sich kein DAFV-Funktionär zu einem Beitrag bereit. Auch sonst fand leider niemand etwas Gutes über den DAFV zu sagen. Das ist natürlich eine ganz perfide Lügenpropaganda der Presse… Schon klar!

Wer Lügner ist, bestimmt Frau Dr. Happach-Kasan. Vielleicht sind auch die Beiträge in diesem Blog für die Präsidentin Lügen. Wir, die Lügner, aber werden weitermachen, ob im Anglerboard, an anderer Stelle oder auf dieser Seite. Die Amtszeit einer Präsidentin des DAFV ist endlich. Ihre Wiederwahl, wenn der DAFV überhaupt so lange überlebt, ist höchst unwahrscheinlich. Für uns ist die einzige Wahrheit nicht das, was die Pressestelle des Gentechnik-Konzerns Monsanto veröffentlicht. Wir wollen Angler informieren, auch über den Verband – und wir werden das tun, ganz ohne Amtszeit. Weil wir das Angeln in Deutschland voranbringen wollen, weil wir ein echtes Interesse für Angler und für das Angeln haben.

P.S.: Mit dem fusionsbedingten Ende der Amtszeiten der ehemaligen Gründerverbandspräsidenten hatte ich die Hoffnung, dass der neue Verband offener, transparenter und auch diskussionsfähiger sein würde als die verkrusteten alten. Diese Hoffnung hat Frau Dr. Happach-Kasan nie befeuert, aber ich glaubte lange, dass das ja noch kommen könnte. Diese Hoffnung habe ich mit dieser Äußerung beim Verband Westfalen und Lippe beerdigt. Majestätsbeleidigung ist wieder strafbar – und wenn es bald, wie zu Mohnert’s Zeiten, wieder Strafanzeigen gegen Andersdenkende gibt, wird mich das nicht mehr überraschen. Wohlgemerkt: Ich behaupte nicht, dass es unter Dr. Happach-Kasan solche Anzeigen gibt, sondern schildere nur, wie ich sie aufnehmen würde.

P.S. II: Auch wenn hier die Beiträge von Lesern erwünscht sind, gehört es nicht zu den Spielregeln dieses Blogs, hier eine Plattform für Spitzenentscheider zu bieten. Gleichwohl würde hier ein Beitrag des DAFV-Präsidiums ungekürzt veröffentlicht werden – allerdings sicher durch mich kommentiert. Dazu lade ich nicht ein, aber die Zusicherung steht. Mag der DAFV selbst entscheiden, wie er mit diesem Blog umgeht. Vielleicht hält er es ja für eine Lügenseite… Ich bin gerne bereit, mich widerlegen zu lassen und werde jede nachgewiesene Falschmeldung höchstpersönlich dementieren und mich dafür entschuldigen. Aber weitere Ehrabschneidungen durch die Vertreter der deutschen Angler lasse ich nach all dem, was ich erleben musste, nicht mehr zu.

P.S. III: Sollte die diesem Beitrag zugrundeliegende Äußerung von der DAFV-Präsidentin entgegen der Zeugenberichte nicht so gefallen sein, wie sie hier wiedergegeben wurde, so bitte ich den DAFV-Referenten für Öffentlichkeitsarbeit um einen entsprechenden Hinweis. Ich werde dann unverzüglich für eine angemessene redaktionelle Richtigstellung auf diesem Blog Sorge tragen.

Neuer Streit im DAFV

Noch immer sind die Fragen der Finanzen und der inhaltlichen Ausrichtung des Deutschen Anglerfischerverbands DAFV nicht angegangen, geschweige denn gelöst, noch immer ist eine Austrittswelle der Landesverbände von beängstigenden Ausmaßen nicht gestoppt, da steht neuer Streit ins schlecht bestellte Haus.

Der droht ausgerechnet aus dem Landesverband des einzigen bislang unangefochtenen Vizepräsidenten Bernhard Pieper, dem Landesverband Weser-Ems, dessen Präsident er zugleich ist. Auf einer Konferenz dieses Landesverbandes wurde beschlossen, den Bundesverband zu verlassen, falls die Aufnahme des Deutschen Süßwasseranglerverbandes DSAV in den DAFV nicht rückgängig gemacht wird. Der DSAV ist eine Neugründung durch den DAFV-Fischereireferenten Quinger, die durch DAFV-Präsidiumsentscheidung aus dem letzten Jahr ohne Befragung oder Abstimmung der Landesverbände aufgenommen wird. Ganz offen versucht der DSAV, das im DAFV geltende Wettangelverbot durch einen Marsch durch die Institutionen zu beseitigen.

Jeder Fachverband, der in den DAFV aufgenommen wird, verringert die Dominanz der Gemeinschaft der Landesverbände. Die oftmals sehr mitgliederschwachen Fachverbände verfügen proportinal über eine deutliche Überrepräsentanz in Verbandsausschuss und Delegiertenversamlung. Dadurch werden kleinere und mittlere Landesverbände in ihren Einflussmöglichkeiten auf Bundesebene weiter zurückgedrängt.

Diese Konfliktlage, die bereits die Austrittsabsichten einiger Landesverbände verstärkt hat, ist der Hintergrund des neuen Streits im DAFV, der sich jetzt an der Frage des Wettangelns entzündet. Der LV Weser-Ems versucht, die alte VDSF-Position im DAFV zu zementieren; er befürchtet heftige Auseinandersetzungen mit Natur- und Tierschutzverbänden und ökologisch orientierten Politikern. Der DSAV sieht sich durch nicht verbotene Wettangelveranstaltungen, an denen zum Teil sogar Ministerpräsidenten als Schirmherren teilgenommen haben, ermutigt, jetzt eine Beseitigung des Verbotes erreichen zu können.

Bereits eingelegt ist der Widerspruch gegen die DSAV-Aufnahme. Die Jahreshauptversammlung wird darüber zu entscheiden haben, ob der DSAV seinen Platz räumen muss. Das Verfahren ist also durch Satzung vorgegeben.

Dringt der LV Weser-Ems mit seiner Forderung durch und der DSAV würde ausgeschlossen, dann dürfte Referent Quinger sein Amt mit sofortiger Wirkung niederlegen. Andernfalls wäre er eine lame duck und vor seinen eigenen Mitgliedern nicht mehr tragbar. Der DSAV würde, so oder so, in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Das Zeug zum Alternativverband hat er schon mangels Mitgliedermasse nicht und wird es auch auf lange Sicht nicht haben. Zugleich wäre die Frage der inhaltlichen Ausrichtung zum Wettangeln auf lange Zeit zugunsten der restriktiven VDSF-Position entschieden. Fortschrittliche Kräfte im DAFV müssten das als herben Rückschlag empfinden, selbst wenn sie sich nicht für eine Lockerung des Wettangelverbotes einsetzen. Düpiert aber wäre die DAFV-Präsidentin, die die Aufnahmeentscheidung getroffen hat, die sie dann rückabwickeln müsste. LV-Chef Pieper könnte das als Sieg (auf Kosten seiner Bundeschefin) empfinden. Er müsste aber weiterhin in seinem Landesverband die Kritik am DAFV wegen der schlechten Arbeitsleistung und der maroden Finanzen des DAFV einstecken.

Bleibt der DSAV jedoch im Verband, so wäre DAFV-Vize Pieper zum Rücktritt gezwungen, eventuell sogar als LV-Präsident. Auch in diesem Fall erleidet die DAFV-Präsidentin einen weiteren Imageschaden, weil sie außerstande ist, die Massenflucht der Landesverbände zu stopfen. Das Finanzproblem des DAFV auf der Einnahmenseite würde sich dramatisch verschärfen. Ein hoher Preis, da Weser-Ems mitgliederstark ist. In Sachen Wettfischen wäre damit der Streit noch nicht beendet, denn Gegner der Quinger’schen Ambitionen finden sich auch ohne Weser-Ems noch genug. Der DSAV wird ohne eine starke Unterstützung von Seiten der Landesverbände nicht wirkungsvoll agieren können.

Die Fronten sind aufgebaut und die Geschütze positioniert in einer Auseinandersetzung, die keine Sieger kennen kann. Auf jeden Fall werden alle drei Seiten dieses Spiels beschädigt werden. Es sei denn, es gelingt ihnen, im Dialog eine gemeinsame Lösung zu entwickeln, die die Delegiertenversammlung nicht vor diese tödliche Wahl stellt.

Nachtrag: Trophäenangler

Das Tierschutzgesetz verbietet Anglern in Deutschland, Fischen ohne vernünftigen Grund Leiden oder Schäden zuzufügen.

Ob das Angeln als solches bereits einen vernünftigen Grund darstellt, wird neuerdings behauptet, ist aber noch nicht herrschende Rechtsmeinung. Das soll einer gesonderten Betrachtung vorbehalten bleiben.

Halten wir uns, bis es dazu kommt, mit dem geltenden Recht auf. Bermerkenswert daran in Bezug auf die Angelei ist abgesehen von dem Aspekt, dass der Tierschutz offensichtlich in der Berufsfischerei nicht gilt, dass die unterschiedlichen “Opferwirkungen” in der Rechtspraxis keinerlei Wertungsunterschiede haben. Leiden führt nicht zu geringeren Rechtsfolgen, als das Töten. Eine wie auch immer geartete Störung kann die gleichen Sanktionen nach sich ziehen wie der “finale Schaden” des Tötens.

Zudem gilt bereits die Stresszufügung als tierschutzwidrig (wenn sie ohne den vernünftigen Grund erfolgt). In der Fachwissenschaft ist seit fast zwanzig Jahren umstritten, ob Fische Schmerzempfinden haben, aber dass sie durch den Drill des Fisches potentiell einem schadenstiftetenden Stress ausgesetzt sein können, wird nur von wenigen Ichthyologen abgestritten.

Das führt zu einer paradoxen Situation: einen Fisch zu drillen ist nicht weniger verwerflich als ihn zu töten. Übersetzt auf menschliche Verhältnisse – eine an sich unzulässige Analogie, aber von Tierschützern argumentativ vielfach genutzt – würde das bedeuten, dass Totschlag nicht schlimmer wäre als einfachste Körperverletzung.

Diese an sich schon verquere Sicht der Dinge wird noch deutlicher, wenn man die Verbote des Tierschutzgesetzes in Handlungsgebote umformuliert. Dabei dürfen wir nur von nicht geschonten Fischen sprechen, die insoweit einem anderen Rechtsregîme unterliegen.

Das bedeutet nämlich in dem in Deutschland verbreiteten Verständnis, dass jeder gedrillte Fisch auch getötet werden muss, mit der Begründung, dass es ansonsten an einem vernünftigen Grund fehle. Wenn man einen konkreten Fisch nicht entnehmen will, dann darf man ihn erst gar nicht haken. Absurd! Eine Entscheidungsbefugnis des Anglers, einen gehakten Fisch freizulassen, wird in dieser Auffassung ausgeschlossen. Will der Angler “den nächsten” Fisch nicht entnehmen, so bleibt ihm danach nichts, als das Angeln einzustellen. Selbst wenn er den “übernächsten” entnehmen möchte. Der Angler “darf” also nicht abhaken und releasen, aber er “darf” aufhören zu angeln. Letzteres wird man kaum als selektive Entnahme bezeichnen können, denn eine Auswahlentscheidung steht dem Angler dabei wiederum nicht zu.

Töten oder Spazierengehen ist also die einzige Alternative, die die Vertreter dieser Auffassung den Anglern anbieten wollen. Ob dadurch die Zahl der Angelaktivitäten zurückgeht, ist zu bezweifeln. Der Angler wird sich so nicht entscheiden, nur um einem fehlverstandenen Tierschutzgesetz zu genügen. Und der  “Normalbürger” wird, wenn er nicht militanter Tierschützer oder Angelgegner ist, so etwas auch nicht von ihm verlangen.

Diese Konsequenz ist aus dem Tierschutzgesetz bei vernünftiger Auslegung auch nicht zu ziehen. Dass sich der Angler in der konkreten Situation, dass er zufällig und unbeabsichtigt einen für ihn konkret nicht sinnvoll verwertbaren Fisch, der  überlebensfähig ist entscheidet, nicht zu töten, sondern zurückzusetzen, dem Fisch also schlimmeres Leid als den meistens folgenlosen Drillstress zu ersparen, kann nicht tierschutzwidrig sein. Andernfalls müsste der Angler, so lange er angelt, jeden Fisch töten, der nicht geschont ist. Und der “Kampfangler”, der jeden Fisch tötet, den er fängt, wird gegenüber demjenigen privilegiert, der nur das entnimmt, was er in der Pfanne haben möchte.

An einer solchen Auslegung des Gesetzes hat niemand in Deutschland ein nachvollziehbares Interesse. Nicht die Tierschützer, nicht die Bewirtschafter, deren Bestände dadurch ramponiert würden, nicht die Verbände und erst recht nicht die Angler. Auch die Fische nicht. Selektive Angler sind, trotz der Rechtsunsicherheit, der sie ausgesetzt sind, den meisten Tierschützern meilenweit voraus.

Nota bene: Ich bitte zu beachten, dass grundsätzlich entnahmeunwillige Angler keine selektiven Entnehmer sind. Ich möchte mit diesem Beitrag nur für Letztere eine Lanze brechen. Eine rechtliche und/ oder ethische Bewertung des Angelns grundsätzlich ohne Entnahmewillen nehme ich hiermit nicht vor.

Trophäenangler – Annäherung an einen schillernden Begriff

Die uralte Kulturtechnik des Angelns hat seit jeher viele Menschen in ihren Bann gezogen und Leidenschaften entfacht. Der Fang eines für den Fänger überdurchschnittlichen, gar kapitalen Fischs ist ein emotionaler Höhepunkt im Leben eines Anglers. An einen solchen Moment erinnert man sich gerne. Da Fische die einzigen Lebewesen sind, die nach ihrem Tod wachsen, ist es sehr beliebt, sich ein Präparat des gefangenen Fisches oder zumindest seines Kopfes erstellen zu lassen. Keine ganz preiswerte Angelegenheit übrigens. Solche Fischpräparationen „zieren“ so manches Anglerheim. Im Jagd- und Fischereimuseum München gibt es massenhaft davon. Es handelt sich um Trophäen. Der Begriff entstammt dem Griechischen und bedeutet Siegeszeichen. Bei Jagdtrophäen ist damit der Sieg über das erlegte Tier gemeint.

In der modernen Gesellschaft, die sich gerne pazifistisch gibt, ist das Siegen ebenso verpönt wie das Siegeszeichen. Man ist dazu übergangen, seine Leichen im Keller aufzubewahren. Wer Trophäen vorzeigt, gilt leicht als Angeber; sein Fängerstolz wirkt auf viele Menschen befremdlich. Deswegen und aufgrund der hohen Kosten ist das Präparieren heutzutage seltener geworden. An seine Stelle treten die allseits beliebten Fangfotos, die mit einer Digitalkamera erstellt werden und für den Angler eine brauchbare Alternative als Erinnerungshilfe sind. Welcher Angler hätte nicht schon einmal ein Foto von einem selbstgefangenen Fisch gemacht?! Und spätestens dann, wenn ein solches Bild bei Facebook oder in einer Angelzeitschrift unter namentlicher Nennung des Anglers veröffentlicht wird, kann man von einer Trophäe im Sinne obiger Begriffsbestimmung sprechen.

Man mag dieses Vorführen von Fangerfolgen mögen oder nicht. Manch einem liegt das Herumzeigen von Jagdtrophäen nicht; es wirkt protzig. Dem Fisch ist es egal. Mehr und größere Fische fängt man dadurch nicht. Ob dadurch ein unerwünschter Wettbewerb um Kapitale angespornt wird, mag bezweifelt werden; genauso gut könnte man sich auch von den Erfolgen anderer entmutigen lassen. Aus dem Blickwinkel des Tierschutzes ist es irrelevant.

Die Neuerung des Fangfotos hat gegenüber dem althergebrachten Tierpräparat einen wesentlichen Vorzug: Man muss den Fisch nicht einmal töten, um ihn abzulichten. Die handlichen Kameras sind überall griffbereit und ein Foto blitzschnell gemacht. Dadurch wird dem Fisch kein zusätzliches Leiden zugefügt. Die moderne Form der Anglertrophäe hat schon so manchem Fisch das Leben gerettet. Keine Einwände also gegen das Erstellen von Siegeszeichen in der Angelei.

Der Einzug der modernen Fotographie in die Angelei hat aber nicht nur die Erstellung von Fangbildern erleichtert, sondern auch einen neuen Typus des Anglers ermöglicht. Nämlich jenen, der gar nicht mehr angelt, um sich einen Fisch für den Verzehr anzueignen, sondern der lediglich Fotos von den gehakten Fischen macht, um sie anschließend mehr oder weniger schonend zurückzusetzen. Ein solches Vorgehen ist vor allem in der hochgerüsteten Karpfenangelei verbreitet. Aber nicht nur dort. Carp Hunters nennen sich viele Angler dieser Fraktion, und gerne finden sie sich in Specimen Hunting Groups zusammen. In ihrer Ausrüstung sind die Werkzeuge zum Betäuben und Töten des Fisches oftmals originalverpackt. Für diese Fotojäger, die niemals einen Fisch mit nach Hause bringen, sondern alle Fänge zurücksetzen („releasen“), hat sich in der Fachsprache der Begriff Trophäenangler eingebürgert.

Wenn es Spaß macht, mag man denken, und viele denken so. Andere, insbesondere die Freunde des Tierschutzes, sehen das anders. Einen Fisch durch Haken und Drillen zu stressen, nur um ein Foto von ihm zu schießen, wird als nicht angemessen angesehen. Kein Fisch soll leiden, nur um der Eitelkeit des Anglers zu dienen. Angesichts des Massensterbens von Beifängen der Berufsfischerei mag man das für eine Luxusdiskussion halten. Aber das deutsche Tierschutzgesetz springt dieser Auffassung bei. Es lässt das Angeln nur zu, wenn eine Verwertungsabsicht besteht. Angeln soll danach nur erlaubt sein, wenn man den Fang verzehrt wird („Nahrungserwerb“) oder im Rahmen der Hege. Letzteres ist schon streitig; an dieser Stelle wollen wir das aber außer Betracht lassen.

Die sogenannten Trophäenangler sind also ins Visier der Tierschützer, Staatsanwälte und auch von traditionellen Anglern geraten, die gerne mal einen Fisch mitnehmen, die sogenannten Kochtopfangler. Es drohen Anzeigen und empfindliche Strafen. Es soll aber ganz klar sein: Strafbar ist nicht das Erstellen des Fotos oder seine Veröffentlichung, ebensowenig wie das Erstellen eines Fischpräparates. Strafbar ist allein das Fangen gänzlich ohne Verwertungsabsicht, die das geltende Tierschutzgesetz für die Ausübung des Angelns vorschreibt. Besser als von Trophäenanglern sollte man also von aneignungsunwilligen Anglern sprechen.

Jetzt müssen wir leider ein wenig juristisch werden. Grundvoraussetzung jeder Strafbarkeit ist, dass die objektiven und die subjektiven Tatbestandsmerkmale einer Strafnorm erfüllt sind. Ob ein Aneignungswille bzw. eine Verwertungsabsicht vorliegt oder nicht, gehört zum subjektiven Tatbestand. Das sind die Dinge, die sich im Kopf des Täters abspielen. Erst wenn sie durch sichtbares Handeln objektivierbar sind, können sie bewiesen werden. Als äußerlich sichtbares Zeichen einer fehlenden Verwertungsabsicht wird nicht das Fotografieren, sondern das Zurücksetzen des Fisches herangezogen. Was bei untermaßigen und geschonten Fischen vorgeschrieben ist, gilt bei entnahmegeeigneten Fischen als verpönt. Aus dem Releasen bereits eines oder mehrerer Fische wird also die fehlende Verwertungsabsicht gefolgert, was quasi automatisch die Strafbarkeit nach dem Tierschutzgesetz eröffnet.

Von dieser juristischen Hilfskonstruktion sind jedoch nicht nur die sogenannten Trophäenangler betroffen, sondern alle Angler, ob sie nun fotografieren oder nicht, sofern sie einen nicht geschonten Fisch zurücksetzen. Das tun nämlich nicht nur die Karpfenspezis, sondern zum Beispiel auch sehr viele Fliegenfischer, aber auch Raubfischangler mit ihren Kunstködern. Während der Jäger vor dem Schuss das Tier durch sein Zielfernrohr sieht und entscheiden kann, ob er abdrückt oder nicht, kann der Angler zumeist erst nach dem Haken und Drillen sehen, was ihm an die Angel gegangen ist. Und folglich kann er vom Ablauf her erst dann entscheiden, ob er den Fisch töten oder releasen will. Es beißen nun einmal nicht immer nur die Zielfische; jeder Angler hat gelegentlich Beifang. Den muss man doch zurücksetzen dürfen?!

Doch die Trophäenangler haben das Zurücksetzen in Verruf gebracht. Um genauer zu sein: Da dem schwammigen Begriff des Trophäenangelns das Zurücksetzen als typisch angehaftet wurde, galt alsbald jedwedes Zurücksetzen nicht geschonter Fische als tierschutzwidrig. Dabei ist Zurücksetzen per se gar nicht das Problem: bei geschonten Fischen ist es Pflicht und bei den anderen wird sogar in Fachkreisen und unter Bewirtschaftern diskutiert. Moderne Angler versuchen so selektiv wie möglich ihr Gerät auf den Zielfisch abzustimmen – und reklamieren das Recht für sich, in eigener Verantwortung zu entscheiden, ob sie den Fisch, den sie am Haken haben, verwerten wollen oder nicht. Catch & decide wird das seit einiger Zeit genannt. Beifang schonend zurücksetzen, Zielfische in der erlaubten Menge entnehmen. Wer Barsche will, muss keinen Hecht essen, nur weil der an den Barschköder gegangen ist.

Für die Hardliner in der Auslegung des Tierschutzgesetzes werden die catch & decide – Angler den sogannten Trophäenanglern gleichgesetzt, nur weil sie zurücksetzen. Der schlechte Ruf der Karpfenspezis wird auf das selektive Angeln übertragen. Die Schwammigkeit, besser Treffungenauigkeit des in der Diskussion verwendeten Begriffs „Trophäenangler“ hat die notwendige Differenzierung in dieser Frage sabotiert. Stattdessen sollte unterschieden werden zwischen grundsätzlich aneignungsunwilligen Zurücksetzern und grundsätzlich aneignungswilligen, aber selektiv entnehmenden Zurücksetzern.

Das ist nicht nur aus Gründen der Schonung der Fischbestände erforderlich. Denn in der Konsequenz bedeutet die unzulässige Verallgemeinerung, dass aus Gründen des Tierschutzes Fische getötet werden, die gar nicht sinnvoll verwertet werden können. Diese Absurdität ist Folge eines Zurücksetzverbotes für alle gefangenen, nicht geschonten Fische. Die Differenzierung ist aber auch aus juristischen Gründen zwingend erforderlich. Aus dem strafrechtlichen Grundsatz keine Strafe ohne geschriebenes Gesetz folgt nämlich, dass Tatbestandsmerkmale einer Strafnorm stets einschränkend auszulegen sind. Das gilt auch für das Tatbestandsmerkmal der fehlenden Verwertungsabsicht. Muss sich die Verwertungsabsicht konkret auf jeden gehakten Fisch beziehen – oder reicht eine generelle Verwertungsabsicht auf zur Verwertung für geeignet erachtete Fische aus? Die Verfechter eines allgemeinen Zurücksetzverbotes sehen das Merkmal der fehlenden Verwertungsabsicht bereits als erfüllt an, wenn der gerade gefangene Fisch nicht verwertet werden soll. Bei den Befürwortern des selektiven Angelns ist das Merkmal erst erfüllt, wenn der Angler überhaupt keine Fische entnehmen will und gleichwohl Fische fängt. Die „Theorie“ von konkreten, auf jeden ungeschonten Fang bezogenen Verwertungsanspruch dehnt das Tatbestandsmerkmal aus, ist also eine unzulässige erweiternde Auslegung einer Strafnorm. Allein die Auffassung von der abstrakten, generellen Verwertungsabsicht ist eine einschränkende Auslegung und als solche allein mit den Grundsätzen des Strafrechts vereinbar.

Dass diese notwendige Unterscheidung in der öffentlichen Diskussion um den Tierschutz in der Angelei nicht gemacht wird, ist Folge der bedenkenlosen Pauschalierung, die in der Verwendung des trennunscharfen Begriffs „Trophäenangler“ liegt. Weder geht es um Trophäen, noch um das Zurücksetzen an sich. Wer die gerade für die verantwortungsbewussten selektiven Entnehmer, die eben nicht alles töten, was am Haken hängt, entstandene Rechtsunsicherheit beseitigen will, der soll statt von Trophäenanglern besser von grundsätzlich entnahmeunwilligen Anglern sprechen. Soviel begriffliche Klarheit ist nötig, um eine rechtssichere Anwendung des Tierschutzgesetzes in seiner gegenwärtigen Form zu gewährleisten. Wer weiterhin von Trophäenangeln spricht, der setzt gerade den verantwortungsvollen, schonenden Angler einem Rechtfertigungsdruck aus, schießt in der Strafbarkeit weit über das eigentlich gewünschte Ziel hinaus und redet fahrlässig einer generellen Tötungspflicht das Wort, die nichts anderes ist als ein Notschlachtgebot ohne Not. Das alles könnte vermieden werden durch die Einführung der guten fachlichen Praxis der Angelfischerei in das Tierschutzgesetz bei gleichzeitiger Beseitigung von Entnahmepflichten aus den Fischereiordnungen der Länder, dort wo es sie noch gibt. Solange dieser Zustand nicht erreicht ist, sollten Strafverfolger und Verbandsfunktionäre wenigstens den Unterschied zwischen entnahmeunwilligen und selektiven Anglern kennen und beachten.